Auf jedem Pflanzendünger finden sich drei Zahlen, zum Beispiel 3-1-2 oder 0-5-4. Diese stehen für das NPK-Verhältnis: den relativen Anteil von Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) im Dünger. Sie sind die drei wichtigsten Makronährstoffe für Cannabis und decken unterschiedliche Funktionen in der Pflanze ab.
// WAS DIE ZAHLEN WIRKLICH BEDEUTEN
Die drei Zahlen auf dem Etikett sind kein Prozentwert vom Gesamtinhalt, sondern ein Verhältnis zueinander. Ein Dünger mit 3-1-2 enthält dreimal so viel Stickstoff wie Phosphor und doppelt so viel Kalium wie Phosphor, unabhängig davon, wie stark das Produkt insgesamt verdünnt oder konzentriert ist. Ein 3-1-2-Dünger und ein 6-2-4-Dünger haben also dasselbe Verhältnis, aber der zweite ist doppelt so konzentriert. Deshalb sagt die NPK-Zahl allein nichts über die Dosierung aus. Wie viel du tatsächlich gießt, bestimmst du über den EC-Wert der fertigen Nährlösung, nicht über die Zahlen auf der Flasche.
// STICKSTOFF (N): DER WACHSTUMSTREIBER
Stickstoff ist Hauptbestandteil von Chlorophyll und Aminosäuren. Er ist in der Vegetationsphase der wichtigste Nährstoff. Pflanzen mit ausreichend N wachsen schnell, haben kräftig grüne Blätter und bilden viel Blattmasse. N-Mangel zeigt sich durch Vergilbung der unteren Blätter, beginnend bei den Blattspitzen, da Stickstoff ein mobiler Nährstoff ist und aus altem Gewebe in neues umgelagert wird. In der Spätblüte wird die N-Versorgung bewusst reduziert, da zu viel Stickstoff die Blütenentwicklung hemmt, das Aroma verwässert und die Reifung verzögert.
// PHOSPHOR (P): FÜR WURZELN UND BLÜTEN
Phosphor ist entscheidend für Energietransport (ATP), Wurzelwachstum und Blütenbildung. In der Blütephase steigt der P-Bedarf deutlich, weshalb viele Blütedünger und PK-Booster hier ansetzen. P-Mangel äußert sich durch violette oder rötliche Verfärbungen an Stängeln und Blattunterseiten sowie durch langsames Wurzelwachstum. Achtung: P-Mangel wird häufig durch einen falschen pH-Wert ausgelöst, nicht durch tatsächlichen Phosphormangel im Substrat. Phosphor wird bei zu hohem oder zu niedrigem pH schlicht unlöslich, siehe Lockout.
// KALIUM (K): QUALITÄT UND STABILITÄT
Kalium reguliert Wasserhaushalt, Stomata-Öffnung, Zuckertransport und Krankheitsresistenz. Es ist in allen Phasen wichtig, besonders aber in der Spätblüte für die Budentwicklung und Harzproduktion. K-Mangel zeigt sich durch braune, verbrannte Blattränder, die einem Nährstoffbrand ähneln können, allerdings ohne dass der EC-Wert der Gießlösung überhöht ist. Kalium ist außerdem einer der Nährstoffe, die am stärksten mit Calcium und Magnesium um Aufnahmekapazität an der Wurzel konkurrieren, ein Ungleichgewicht kann daher indirekt zu Ca/Mg-Mangel führen.
// NPK-BEDARF JE NACH WACHSTUMSPHASE
- Keimlinge / Stecklinge: Sehr wenig alles, EC 0,4-0,8 mS/cm, am besten vorerst kein Zusatzdünger
- Vegetationsphase: Hohes N, moderates P und K (z.B. 3-1-2), EC 1,0-1,6 mS/cm
- Frühe Blüte: N reduzieren, P und K erhöhen (z.B. 1-3-2), EC 1,4-2,0 mS/cm
- Spätblüte: Kaum N, viel P und K (z.B. 0-3-3), EC 1,6-2,2 mS/cm
- Flush / letzte Wochen: Kein Dünger, EC 0,2-0,4 mS/cm (nur klares, pH-korrigiertes Wasser)
Wichtig: Die Zahlen auf dem Dünger zeigen nur das Verhältnis, nicht die absolute Menge. Immer mit halber Herstellerdosis beginnen und anhand des Pflanzenzustands und EC-Werts anpassen.
// WARUM "MEHR IST BESSER" NICHT STIMMT
Ein weit verbreiteter Anfängerfehler ist die Annahme, dass mehr Dünger automatisch mehr Wachstum oder dickere Blüten bedeutet. Tatsächlich hat Cannabis in jeder Phase einen ungefähren Bedarfsbereich, der sich grob über den EC-Wert abschätzen lässt. Wird dieser Bereich deutlich überschritten, steigt die Salzkonzentration im Substrat so stark, dass die Pflanze osmotisch gestresst wird und kein Wasser mehr aufnehmen kann. Das Ergebnis ist Nährstoffbrand oder ein salzbedingter Lockout, also genau die Mangelsymptome, die man eigentlich vermeiden wollte. Ein unausgewogenes NPK-Verhältnis kann außerdem einzelne Mikronährstoffe blockieren, siehe Mikro- und Makronährstoffe.
// ORGANISCH VS. MINERALISCH
Organische Dünger (Guano, Kompost, Hornmehl) geben Nährstoffe langsam und über Bodenorganismen frei. Mineralische Flüssigdünger wirken schneller und direkter, erfordern aber präziseres Dosieren. Viele Grower kombinieren beides: organisches Basissubstrat mit mineralischer Ergänzung in der Blüte. Eine ausführliche Gegenüberstellung der Ansätze findest du unter Dünger-Philosophien.
// HÄUFIGE FEHLER
- Volle Herstellerdosis von Anfang an statt langsam heranzutasten
- Stickstoffreichen Veg-Dünger bis in die Spätblüte weiterverwenden
- Bei Mangelsymptomen sofort nachdüngen, ohne vorher pH und EC zu prüfen
- Mehrere Booster gleichzeitig stapeln, ohne die Gesamt-EC im Blick zu behalten
- Verschiedene Düngerlinien unterschiedlicher Marken mischen, ohne die Gesamtkonzentration zu berechnen
// HÄUFIGE FRAGEN
Bedeuten die NPK-Zahlen den Nährstoffgehalt in Prozent?
Nein. Die Zahlen zeigen das Verhältnis von Stickstoff, Phosphor und Kalium zueinander, nicht den absoluten Prozentanteil am Gesamtvolumen. Ein Dünger mit 3-1-2 hat dreimal so viel N wie P und doppelt so viel K wie P, egal wie konzentriert das Produkt insgesamt ist.
Warum verträgt Cannabis in der Blüte weniger Stickstoff?
Zu viel Stickstoff in der Blüte verzögert die Reifung, fördert übermäßiges Blattwachstum auf Kosten der Blütenbildung und kann die Aufnahme von Calcium blockieren. Die Pflanze priorisiert dann Wachstum statt Blütenausbau.
Kann ich einfach mehr düngen, um schneller zu wachsen?
Nein. Cannabis hat für jede Phase einen ungefähren Bedarf, der sich über den EC-Wert grob abschätzen lässt. Wird dieser Bereich deutlich überschritten, drohen Nährstoffbrand oder Lockout, nicht schnelleres Wachstum.
Was ist der Unterschied zwischen NPK-Verhältnis und Mikronährstoffen?
NPK sind die drei Hauptmakronährstoffe, die in großer Menge gebraucht werden. Mikronährstoffe wie Eisen, Mangan oder Zink werden nur in Spuren benötigt, sind aber genauso essenziell für ein gesundes Wachstum.