Schimmel ist ein Sammelbegriff für verschiedene Pilzarten, die im Cannabis-Grow auftreten können: Botrytis (Grauschimmel), Penicillium, Aspergillus und andere. Während Mehltau und Blütenfäule spezifische Pilzerkrankungen der Pflanze sind, meint man mit "Schimmel" im Growroom-Kontext häufig einen allgemeinen Schimmelbefall auf getrocknetem Material, im Substrat oder an Oberflächen des Growraums. Schimmel ist nicht nur ein Ernterisiko, sondern auch ein Gesundheitsrisiko.
// ARTEN VON SCHIMMEL IM GROW
Schimmel auf der Pflanze (Blüte, Blätter)
Botrytis (grau, filzig) und Penicillium (blaugrün, staubig) sind die häufigsten Arten auf lebenden Pflanzen. Beide entstehen bei hoher Luftfeuchtigkeit und schlechter Luftzirkulation. Schimmel auf der Pflanze sollte als medizinischer Notfall behandelt werden: Sofort entfernen und den Growraum sanieren.
Schimmel während der Trocknung
Frisch geerntete Buds, die zu langsam oder bei zu hoher Luftfeuchtigkeit trocknen, entwickeln schnell Schimmel. Das erkennt man am muffigen, feuchten Geruch und am sichtbaren Pilzflaum auf den Buds. Betrifft besonders große, dichte Kolas, bei denen die Feuchtigkeit im Inneren nicht schnell genug entweicht.
Schimmel in Curing-Gläsern
Wenn Buds zu früh und noch zu feucht in Glasgefäße gefüllt werden, kondensiert Feuchtigkeit und Schimmel bildet sich. Das erkennt man beim Burpen: Der Geruch ist muffig, ammoniakartig oder faulig statt aromatisch. Betroffene Buds müssen sofort aus dem Glas und weiter trocknen oder entsorgt werden.
// SCHIMMEL ERKENNEN
- Grau-weißer, blaugrüner oder schwarzer Flaum auf Blüten oder Substratoberfläche
- Muffiger, feuchter, moderiger Geruch statt des üblichen Cannabis-Aromas
- Weiche, matschige Stellen innerhalb von Buds (oft erst beim Aufbrechen sichtbar)
- Sporenstaubolken bei Berührung oder Erschütterung
Gesundheitsrisiko: Schimmel auf Cannabis produziert Mykotoxine und Sporen, die beim Inhalieren die Lunge schädigen können. Aspergillus-Schimmel ist besonders gefährlich für immungeschwächte Personen. Im Zweifel immer entsorgen statt konsumieren.
// SCHIMMEL IM GROWRAUM SANIEREN
Schimmelpilzsporen setzen sich an Wänden, Böden und Ausrüstung fest. Nach einem Schimmelbefall muss der gesamte Growraum saniert werden, bevor neue Pflanzen eingebracht werden:
- Alle Pflanzenreste und befallenes Material entfernen und entsorgen
- Wände, Boden und Ausrüstung mit verdünnter Wasserstoffperoxidlösung (3%) abwischen
- Growzelt mit Isopropylalkohol (70%) innen abwischen und trocknen lassen
- Schläuche, Netze und Töpfe sterilisieren oder ersetzen
- Growraum gut belüften und vollständig trocknen lassen
// PRÄVENTION: FEUCHTE KONTROLLIEREN
- Luftfeuchtigkeit in der Blüte unter 50%, in der Spätblüte unter 45%: Der wichtigste Schutz
- VPD im Zielbereich halten: Korrekter VPD sichert automatisch eine schimmelfeindliche Umgebung
- Gute Luftzirkulation: Ventilatoren schaffen Luftbewegung zwischen den Buds
- Langsames, kontrolliertes Trocknen nach der Ernte: 7–14 Tage bei 15–20°C und 50–60% RH sind ideal, mehr dazu im Artikel zur Trocknung
- Buds erst in Gläser wenn vollständig trocken: Test: Dünner Ast sollte beim Biegen knacken
- Regelmäßiges Burpen in den ersten Curing-Wochen: Mehr dazu im Curing-Artikel
// ZUSAMMENHANG MIT BOTRYTIS UND MEHLTAU
Botrytis und Mehltau sind spezifische Schimmelpilze mit eigenen Merkmalen. Mehr dazu in den dedizierten Artikeln zu Blütenfäule (Botrytis) und Mehltau. Schimmelprävention folgt aber immer denselben Grundregeln: Luftfeuchtigkeit kontrollieren, Luftzirkulation sicherstellen, befallenes Material sofort entfernen.