Blütenfäule (Botrytis cinerea, auch Grauschimmel genannt) ist einer der gefürchtetsten Krankheitserreger im Cannabis-Grow, besonders in der Spätblüte. Der Schimmelpilz befällt dichte Blüten, breitet sich schnell ins Innere aus und ist von außen oft kaum sichtbar, bis es zu spät ist. Ein befallenes Bud kann innerhalb von 24–48 Stunden vollständig verrottet sein. Botrytis ist die häufigste Ursache für Ernteverluste kurz vor dem Zielfenster.
// WIE BOTRYTIS ENTSTEHT
Botrytis cinerea ist ein ubiquitärer Pilz, seine Sporen sind überall in der Luft. Er benötigt zum Wachstum vor allem eines: hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit schlechter Luftzirkulation. Dichte Blüten sind das perfekte Milieu, weil Feuchtigkeit zwischen den Blütenkelchen kaum abgeführt wird. Temperaturschwankungen, die Kondensation erzeugen (kühle Nächte), beschleunigen die Ausbreitung. Verletzungen an der Pflanze (durch Supercropping, Schädlingsfraß oder mechanische Einwirkung) sind häufige Eintrittspforten.
Kritische Phase: Die letzten 2–3 Wochen vor der Ernte sind am gefährlichsten. Die Buds sind am dichtesten, der Erntezeitpunkt nah. Jetzt tägliche Sichtprüfung aller Kolas durchführen.
// SYMPTOME ERKENNEN
- Braune, weiche, matschige Stellen innerhalb der Blüte. Von außen oft als einzelne braune Blütenblätter sichtbar.
- Beim Aufbrechen des Buds: grau-bräunliche, filzige Schimmelmasse im Inneren
- Grauer Sporenstaub, der bei Berührung aufwirbelt (reife Botrytis)
- Charakteristischer muffig-moderiger Geruch
- Zuckerblätter rund um befallene Stellen werden braun und welken
// WAS TUN BEI BEFALL?
Sofortmaßnahmen
- Befallenes Bud oder befallenen Ast sofort und vollständig entfernen. Großzügig schneiden, mindestens 5 cm ins gesunde Gewebe.
- Schnittstelle mit einer sauberen, desinfizierten Schere durchführen. Schere danach sofort reinigen.
- Befallenes Material in einem verschlossenen Beutel aus dem Growraum entfernen. Nie im Growraum lassen oder schütteln (Sporenverteilung).
- Luftfeuchtigkeit sofort absenken: Entfeuchter einschalten, Abluft erhöhen.
Kann ich befallenes Cannabis noch nutzen?
Eindeutig befallenes Material sollte entsorgt werden. Botrytis produziert Mykotoxine, die gesundheitsschädlich sind. Angrenzende, noch gesund aussehende Buds können nach sorgfältiger Prüfung und gründlicher Trocknung genutzt werden. Im Zweifel gilt: Sicherheit geht vor.
// PRÄVENTION: LUFTFEUCHTIGKEIT ALS SCHLÜSSEL
- Luftfeuchtigkeit in der Spätblüte unter 45% halten: Das reduziert das Botrytis-Risiko drastisch
- Lollipopping und Defoliation: Offenere Pflanzenstruktur verbessert die Luftzirkulation zwischen den Buds
- Gute Luftzirkulation: Ventilatoren so ausrichten, dass Luft durch den Baldachin strömt
- Keine Wasserspritzer auf Blüten: Blätter bei Bedarf von unten gießen, nie die Blüten befeuchten
- Sorten mit lockerer Blütenstruktur: Sehr dichte, kompakte Buds sind Botrytis-gefährdeter als luftige Strukturen
- Frühzeitige Ernte im Zweifelsfall: Wenn Botrytis-Bedingungen herrschen und die Pflanze nahe am Erntezeitpunkt ist, lieber 3–5 Tage früher ernten
// ZUSAMMENHANG MIT VPD
Ein korrekt eingestellter VPD-Wert in der Spätblüte (1,2–1,6 kPa) sorgt für niedrige Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig gutem Gasaustausch. Das ist die effektivste Schutzmaßnahme gegen Botrytis. Wer seinen VPD kennt und steuert, hat den stärksten Hebel gegen Blütenfäule.