Grow-Wiki Icon GROW-WIKI

Das Cannabis Grow‑Lexikon

← Zurück zur Übersicht

Genetik (Indica, Sativa, Ruderalis, Hybride)

BIOLOGIESORTENINDICASATIVARUDERALISCHEMOTYP

Die Genetik einer Cannabispflanze ist der Bauplan für praktisch alles: Wuchsform, Blütezeit, Geruch, Harzproduktion und Wirkung. Traditionell wird Cannabis in drei große Gruppen eingeteilt: Indica, Sativa und Ruderalis. Die meisten modernen Sorten sind aber Hybride, also Kreuzungen aus mehreren Linien. Wer verstehen will, warum die eigene Pflanze so wächst, wie sie wächst, kommt an den Grundlagen der Cannabis-Genetik nicht vorbei.

// CANNABIS INDICA: HERKUNFT UND MERKMALE

Cannabis Indica stammt ursprünglich aus dem Hindukusch-Gebirge, einer Region, die sich über Afghanistan, Pakistan und Nordindien erstreckt. Dort herrschen kurze, intensive Sommer mit großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Die Pflanze hat sich entsprechend angepasst: kompakter Wuchs, breite, dunkelgrüne Blätter und eine vergleichsweise kurze Blütezeit, damit die Ernte vor dem ersten Frost eingebracht werden kann.

// CANNABIS SATIVA: HERKUNFT UND MERKMALE

Sativa-Linien stammen aus tropischen und subtropischen Regionen wie Südostasien, Mittelamerika und Teilen Afrikas. Dort gibt es kaum jahreszeitliche Schwankungen, dafür aber lange Vegetationsperioden. Sativa-Pflanzen haben sich auf langes, hohes Wachstum spezialisiert, mit entsprechend längerer Blütezeit als Indica-Linien.

Wichtig zu wissen: Herkunft und Morphologie beschreiben, wie eine Pflanze wächst, nicht zwangsläufig, wie sie wirkt. Für Grower im Zelt ist die Wuchsform (Indica-typisch kompakt vs. Sativa-typisch hoch) meist relevanter als die reine Abstammungsbezeichnung.

// CANNABIS RUDERALIS: DIE UNTERSCHÄTZTE WILDFORM

Cannabis Ruderalis wächst wild in Sibirien, Zentralasien und Osteuropa, Regionen mit sehr kurzen Sommern und extremen Lichtverhältnissen. Für sich genommen ist Ruderalis wenig ergiebig: niedrig, harzarm, kaum Wirkstoffgehalt. Ihre entscheidende Eigenschaft ist die autoflowering Blüte, sie blüht nach einer festen Zeitspanne unabhängig vom Lichtzyklus, statt auf eine bestimmte Dunkelphase zu reagieren. Züchter haben dieses Gen seit den 2000er-Jahren in Hochleistungssorten eingekreuzt und damit die moderne Autoflower-Genetik geschaffen.

// WARUM DIE INDICA/SATIVA-EINTEILUNG HEUTE ALS VERALTET GILT

Die klassische Vorstellung, Indica wirke körperlich entspannend und Sativa geistig anregend, hält sich hartnäckig, ist aber wissenschaftlich nicht haltbar. Jahrzehntelange Kreuzungen haben die botanischen Grenzen zwischen den Gruppen verwischt. Fast jede Sorte im Handel ist heute genetisch ein Mix. Was tatsächlich die Wirkung bestimmt, ist das Chemotyp-Profil der Pflanze: die genaue Zusammensetzung von Cannabinoiden (THC, CBD und Co.) und Terpenen. Zwei Sorten mit identischer Indica/Sativa-Etikettierung können sich in Wirkung und Aroma komplett unterscheiden, während zwei botanisch unterschiedliche Sorten mit ähnlichem Terpenprofil sich sehr ähnlich anfühlen können. Seriöse Saatgutbanken und Fachleute gehen deshalb zunehmend dazu über, Sorten nach Chemotyp statt nach Indica/Sativa-Prozentangabe zu beschreiben.

// HYBRIDE: WAS DIE PROZENTANGABEN IN DER PRAXIS BEDEUTEN

Nahezu alle modernen Cannabissorten sind Hybride, also Kreuzungen aus mehreren genetischen Linien. Angaben wie „70% Indica / 30% Sativa" sind eine grobe Schätzung, meist basierend auf der optischen Ähnlichkeit zur jeweiligen Elterngeneration, keine exakte genetische Messung. Für den praktischen Anbau lohnt es sich trotzdem, auf diese Angaben zu achten, denn sie geben Hinweise auf:

Häufige Fehler bei der Sortenwahl

// GENETIK UND PHÄNOTYP

Genetik legt nur den Rahmen fest, wie eine Pflanze sich innerhalb dieses Rahmens tatsächlich entwickelt, hängt von Umweltfaktoren ab. Mehr dazu im Artikel zu Phänotyp vs. Genotyp. Wer eine besonders gelungene Pflanze findet, sichert sich diesen Phänotyp am besten über eine Mutterpflanze und Stecklinge, denn aus Samen gezogene Nachkommen weichen genetisch wieder leicht ab.

// HÄUFIGE FRAGEN

Ist eine reine Indica- oder Sativa-Sorte heute noch erhältlich?

Kaum. Fast alle im Handel erhältlichen Sorten sind über Jahrzehnte gekreuzte Hybride. Landrassen, also unveränderte Ursprungssorten aus einer bestimmten Region, sind selten und meist nur über spezialisierte Saatgutbanken erhältlich.

Beeinflusst die Genetik den THC-Gehalt?

Ja, der maximal erreichbare THC- und CBD-Gehalt ist genetisch festgelegt. Ob eine Pflanze dieses Potenzial ausschöpft, hängt aber stark von Anbaubedingungen, Erntezeitpunkt und Curing ab.

Warum blühen Autoflower-Sorten anders als photoperiodische Sorten?

Autoflower-Genetiken tragen das Ruderalis-Gen in sich, das die Blüte zeitgesteuert statt lichtgesteuert auslöst. Mehr dazu im Artikel zu Photoperiodisch.

Was bedeutet Landrasse?

Eine Landrasse ist eine Cannabis-Population, die sich über lange Zeit in einer bestimmten Region ohne gezielte Züchtung durch den Menschen an das lokale Klima angepasst hat. Landrassen bilden die genetische Grundlage aller heutigen Hybridsorten.

Kann ich aus zwei Sorten selbst eine neue Genetik züchten?

Grundsätzlich ja, dafür braucht man eine männliche und eine weibliche Pflanze. Reguläre statt feminisierte Samen sind dafür nötig, da nur reguläre Samen zuverlässig männliche Pflanzen hervorbringen.