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Das Cannabis Grow‑Lexikon

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Hygrometer & Thermometer

TECHNIKMESSUNGGRUNDLAGEN

Wer seinen Grow professionell betreiben will, kommt ohne zuverlässige Messtechnik nicht weit. Hygrometer und Thermometer sind die Augen im Growzelt. Sie zeigen, ob das Klima für die Pflanzen stimmt, ob Schimmelrisiken bestehen und ob das Belüftungssystem korrekt arbeitet. Wer nur nach Bauchgefühl anbaut, wird Probleme erst sehen, wenn die Pflanze bereits leidet.

// WAS MISST WAS?

Minimum-Equipment: Mindestens ein digitales Thermo-Hygrometer mit Min/Max-Speicher. Das zeigt nicht nur den aktuellen Wert, sondern auch die höchste und niedrigste Temperatur und Feuchtigkeit seit dem letzten Reset. Damit erkennt man Nacht-Schwankungen, ohne nachts aufstehen zu müssen.

// WELCHE GERÄTE EMPFEHLEN SICH?

Einstieg: Günstiges Digitalgerät

Digitale Thermo-Hygrometer von Marken wie Inkbird, Govee, Xiaomi oder generische Chinamodelle sind für 5–15 Euro erhältlich und ausreichend genau für den Homegrow. Auf Min/Max-Anzeige achten. Diese Geräte sind batteriebetrieben und werden einfach ins Zelt gehängt.

Fortgeschritten: Datalogging-Sensoren

Geräte wie SensorPush, Govee mit App-Anbindung oder Inkbird IBS-TH2 zeichnen Temperatur und Feuchtigkeit kontinuierlich auf und übertragen die Daten per Bluetooth oder WLAN auf das Smartphone. Man sieht den Verlauf über 24 Stunden oder mehr und erkennt Muster und Schwankungen. Sehr nützlich für die Optimierung des Klimasystems. Kostenbereich: 20–50 Euro.

Profi: Klimacontroller

Geräte wie Inkbird IHC-200, Ranco oder Spider Farmer EC schalten automatisch Befeuchter, Entfeuchter oder Lüfter bei definierten Schwellwerten. Damit wird das Klima vollautomatisch in einem vorgegebenen Bereich gehalten. Für ambitionierte Grower sehr komfortabel, aber auch teurer (50–200 Euro).

// ANALOG VS. DIGITAL: WARUM GENAUIGKEIT WICHTIG IST

Analoge Haarhygrometer arbeiten mit einem menschlichen oder synthetischen Haar, das sich je nach Luftfeuchtigkeit dehnt oder zusammenzieht und einen Zeiger bewegt. Das Prinzip ist über 200 Jahre alt und entsprechend ungenau: Abweichungen von 10–15% RLF sind keine Seltenheit, besonders wenn das Gerät älter ist oder nie kalibriert wurde. Für den Homegrow, wo ein Fehler von wenigen Prozent über Schimmelrisiko oder gesundes Klima entscheiden kann, ist das zu ungenau.

Digitale Hygrometer mit kapazitivem Sensor sind dagegen deutlich präziser. Gute Markengeräte liegen bei ±3–5% RLF Abweichung, manche Profi-Sensoren noch darunter. Der Unterschied macht sich vor allem in der sensiblen Spätblüte bemerkbar, wo die Grenze zwischen sicherem und schimmelgefährdetem Klima oft nur 5 Prozentpunkte beträgt.

// WO IM GROWZELT PLATZIEREN?

Die Platzierung des Sensors beeinflusst die Messwerte erheblich. Falsch platzierte Sensoren liefern irreführende Daten:

Ein häufiger Fehler ist die Montage direkt an der Zeltwand aus Nylon. Dort staut sich oft ein Mikroklima, das nicht dem tatsächlichen Zeltklima entspricht. Ein paar Zentimeter Abstand zur Wand und zum Blattwerk selbst liefern realistischere Werte.

// KALIBRIERUNG: DER SALZTEST

Günstige Hygrometer können ab Werk mehrere Prozent daneben liegen. Die Standardmethode zur Überprüfung ist der Salztest: Eine kleine Menge Kochsalz mit ein paar Tropfen Wasser zu einem feuchten, nicht triefenden Brei vermengen und in einen Flaschendeckel oder ein kleines Gefäß geben. Deckel und Sensor gemeinsam in einen luftdicht verschlossenen Gefrierbeutel legen, ohne dass der Sensor das Salz berührt. Nach 6–8 Stunden bei stabiler Raumtemperatur stellt sich in der gesättigten Salzlösung eine Referenzfeuchte von exakt 75% RLF ein – ein physikalisch bekannter Fixpunkt.

Zeigt das Hygrometer nach dieser Zeit einen anderen Wert an, ist das die Abweichung. Manche Digitalgeräte erlauben eine Offset-Korrektur in den Einstellungen, bei anderen muss man den Fehler im Kopf behalten und bei jeder Ablesung mit einrechnen. Weicht ein Gerät um mehr als 8–10% ab, lohnt sich eher ein Ersatzkauf als das Rechnen mit Korrekturwerten.

// HYGROMETER UND VPD-BERECHNUNG

Der VPD-Wert wird aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit berechnet. Ein Hygrometer ist damit die Grundlage für das VPD-Management. Wer den Growmigo VPD-Rechner nutzt, gibt einfach die Messwerte seines Hygrometers ein und bekommt sofort eine Aussage, ob das Klima für die aktuelle Wachstumsphase optimal ist. Mehr dazu im Ratgeber-Artikel zum VPD für Anfänger. Auch die Zielwerte der relativen Luftfeuchtigkeit je Wachstumsphase lassen sich nur sinnvoll verfolgen, wenn der Sensor selbst verlässlich misst.

// HÄUFIGE FEHLER

// HÄUFIGE FRAGEN

Reicht ein günstiges Hygrometer für 10 Euro?

Für die meisten Homegrows ja, solange es sich um ein digitales Gerät mit kapazitivem Sensor handelt und nicht um ein analoges Zeigerinstrument. Wichtiger als der Preis ist die regelmäßige Kalibrierung per Salztest.

Wie oft sollte ich kalibrieren?

Ein neues Gerät einmal vor dem ersten Einsatz testen, danach reicht eine Kontrolle alle paar Monate oder wenn die Werte plötzlich unplausibel wirken.

Brauche ich für jedes Zelt ein eigenes Gerät?

Ja. Klima kann sich zwischen zwei Zelten im selben Raum deutlich unterscheiden, besonders bei unterschiedlicher Pflanzengröße und Beleuchtungsstärke.

Warum zeigen zwei Geräte im selben Zelt unterschiedliche Werte?

Normale Serienstreuung plus Platzierungseffekte. Ein Sensor näher an der Zuluft misst fast immer trockener als einer in der Blätterzone.

Ersetzt ein Hygrometer einen VPD-Rechner?

Nein, es liefert nur die Rohdaten. Der VPD-Wert kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu einer aussagekräftigeren Kennzahl.