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Das Cannabis Grow‑Lexikon

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Relative Luftfeuchtigkeit (RLF)

TECHNIKKLIMAGRUNDLAGEN

Die relative Luftfeuchtigkeit (abgekürzt RLF oder RH von englisch Relative Humidity) beschreibt, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zu ihrer maximalen Aufnahmefähigkeit enthält. 100% RLF bedeutet gesättigte Luft, es bildet sich Kondenswasser. 0% RLF ist theoretisch absolut trockene Luft. Im Cannabis-Grow ist die richtige Luftfeuchtigkeit genauso wichtig wie Temperatur und Licht, wird aber von Einsteigern oft unterschätzt.

// WARUM LUFTFEUCHTIGKEIT SO WICHTIG IST

Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst direkt, wie die Pflanze transpiriert. Bei hoher Luftfeuchtigkeit nimmt die Luft kaum mehr Feuchtigkeit auf, der Transpirationssog der Pflanze versiegt, Nährstoffe werden schlechter transportiert und Schimmel bekommt ideale Bedingungen. Bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit verdunstet die Pflanze zu schnell, schließt ihre Stomata als Schutzreaktion und die Photosynthese bricht ein. Der VPD-Wert verbindet Luftfeuchtigkeit und Temperatur zu einem aussagekräftigen Messwert für den optimalen Pflanzenzustand.

RLF und Temperatur hängen zusammen: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Dieselbe absolute Wassermenge in der Luft ergibt bei 20°C eine höhere relative Luftfeuchtigkeit als bei 28°C. Deshalb steigt die RLF nachts oft an, wenn die Temperatur fällt.

// OPTIMALE WERTE JE NACH WACHSTUMSPHASE

// LUFTFEUCHTIGKEIT ERHÖHEN

// LUFTFEUCHTIGKEIT SENKEN

// MESSEN UND ÜBERWACHEN

Die relative Luftfeuchtigkeit wird mit einem Hygrometer gemessen. Digitale Kombi-Geräte mit Temperatur- und Feuchtemessung sind Standard und für wenige Euro erhältlich. Für präziseres Klimamanagement eignen sich Geräte mit Datalogging-Funktion, die Schwankungen über 24 Stunden aufzeichnen. Besonders die nächtlichen Spitzen (kühlere Nächte, kein Licht, Pflanzen transpirieren weniger) sind relevant für die Schimmelprophylaxe.

// RLF UND SCHIMMEL

Schimmelpilze wie Botrytis oder Mehltau benötigen hohe Luftfeuchtigkeit zur Sporenkeimung und Ausbreitung. Wer die RLF in der Blüte zuverlässig unter 50% hält, macht es Schimmelpilzen strukturell schwer. Das ist effektiver als jede nachträgliche Behandlung. Gute Luftzirkulation durch Umluft-Ventilatoren verhindert zudem feuchte Stagnationszonen im Blattwerk.

// REGIONALE UND SAISONALE EINFLÜSSE

Die Ausgangsluftfeuchtigkeit im Raum, in dem das Growzelt steht, beeinflusst, wie stark ein Ent- oder Befeuchter arbeiten muss. In einem feuchten Kellerraum im Winter kann die Umgebungsfeuchte bereits bei 65–70% liegen, während sie in einer gut beheizten Dachgeschosswohnung im Winter auf 25–30% fallen kann. Wer sein Zelt in einem strukturell feuchten Raum betreibt, sollte in der Blüte tendenziell großzügiger in Entfeuchtungstechnik investieren. Umgekehrt kann in sehr trockenen Räumen im Winter ein Luftbefeuchter schon in der Vegetationsphase notwendig werden, um die Zielwerte überhaupt zu erreichen. Ein zweiter Sensor außerhalb des Zelts zeigt schnell, wie stark diese Grundlast ausfällt.

// TAUPUNKT UND KONDENSATION

Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der Luft mit einem gegebenen Wasserdampfgehalt eine RLF von 100% erreicht und Kondenswasser ausfällt. Kühlt eine Fläche im Growraum, etwa eine Zeltwand in der Nähe eines kalten Fensters oder ein Wasserrohr, unter diesen Taupunkt ab, bildet sich Kondensat. Das ist ein unterschätztes Risiko: Feuchte Stellen an Zeltwänden oder Töpfen sind ideale Startpunkte für Schimmel, auch wenn die gemessene RLF im Zelt selbst im grünen Bereich liegt. Wer sein Zelt in einem kalten Kellerraum betreibt, sollte deshalb besonders auf Kondensation an Außenflächen achten.

// RLF UND SCHÄDLINGE

Luftfeuchtigkeit wirkt nicht nur auf die Pflanze, sondern auch auf Schädlinge. Spinnmilben vermehren sich bei trockener, warmer Luft explosionsartig, weshalb ein Zielwert am unteren Rand der Vegetationsspanne das Risiko erhöht. Trauermücken hingegen bevorzugen dauerhaft feuchte Substratoberflächen und profitieren von zu hoher Luftfeuchtigkeit in Kombination mit Übergießen. Die RLF ist damit ein Kompromiss zwischen Pilz- und Schädlingsprävention, kein Wert, den man einfach beliebig weit in eine Richtung optimieren sollte.

// HÄUFIGE FEHLER

// HÄUFIGE FRAGEN

Was ist der Unterschied zwischen relativer Luftfeuchtigkeit und VPD?

Die relative Luftfeuchtigkeit ist ein Prozentwert relativ zur Temperatur. VPD kombiniert Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu einem Absolutwert in kPa und beschreibt damit präziser, wie stark eine Pflanze tatsächlich transpiriert.

Warum steigt die Luftfeuchtigkeit nachts an, obwohl ich nichts verändert habe?

Weil kühlere Luft weniger Wasserdampf aufnehmen kann als warme Luft. Sinkt die Temperatur nachts ohne Beleuchtung, steigt die relative Luftfeuchtigkeit bei gleicher absoluter Wassermenge automatisch an.

Reicht ein Luftentfeuchter oder brauche ich auch mehr Abluft?

Meist braucht es beides. Ein Entfeuchter senkt gezielt die Feuchte, ersetzt aber nicht den CO2-Austausch und die Wärmeabfuhr, die nur ausreichende Abluft leisten kann.

Wie schnell wirkt sich zu hohe Luftfeuchtigkeit auf Schimmelrisiko aus?

Schimmelsporen können bereits nach wenigen Stunden bei dauerhaft hoher Feuchte und stehender Luft in dichten Blütenständen keimen. Entscheidend ist weniger ein kurzer Spitzenwert als ein dauerhaft zu feuchtes Klima ohne Luftbewegung.

Kann die Luftfeuchtigkeit auch zu niedrig für Schädlingsprävention sein?

Ja. Sehr trockene Luft unter 40% begünstigt die explosionsartige Vermehrung von Spinnmilben, während sie das Schimmelrisiko senkt. Ein guter Zielbereich balanciert beide Risiken.