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Das Cannabis Grow‑Lexikon

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Vegetationsphase (Wachstumsphase)

BIOLOGIEWACHSTUMGRUNDLAGENNÄHRSTOFFE

Die Vegetationsphase (kurz: Veg) ist die Wachstumsphase der Cannabispflanze. Sie beginnt nach der Keimung und endet, wenn die Blüteeinleitung startet. In dieser Phase baut die Pflanze ihr gesamtes Fundament auf: Wurzeln, Stängel, Äste und Blätter. Wie diese Phase geführt wird, entscheidet maßgeblich darüber, wie viel Ertrag am Ende der Blüte möglich ist.

// WAS PASSIERT IN DER VEG-PHASE?

Die Pflanze investiert alle Energie in vegetatives Wachstum. Sie produziert immer mehr Blätter (Sonnensegel) um mehr Licht einzufangen, entwickelt ein starkes Wurzelsystem und bildet die Aststruktur, die später die Blüten tragen wird. Konkret entstehen an jedem Knotenpunkt (Nodium) neue Blattpaare und potenzielle Seitentriebe, wodurch sich die Pflanze mit der Zeit verzweigt. Der Abstand zwischen den Nodien (Internodienlänge) hängt stark von Lichtstärke und -abstand ab: Zu schwaches oder zu weit entferntes Licht führt zu langen, dünnen Internodien und einer instabilen, "gestreckten" Pflanze, während kräftiges, nahes Licht kompaktere Strukturen mit kürzeren Abständen fördert.

Parallel wächst unter der Erde das Wurzelsystem, oft schneller als oberirdisch sichtbar, und legt fest, wie viel Wasser und Nährstoffe die Pflanze später in der Blüte aufnehmen kann. Die feinen Wurzelhaare, die den Großteil der Nährstoffaufnahme leisten, entwickeln sich am besten in gut durchlüftetem, nicht dauerhaft nassem Substrat. Je größer, verzweigter und gesünder die Pflanze am Ende der Veg, desto mehr Blütenansätze und damit Ertragspotenzial hat sie in der Blüte.

// DAUER DER VEGETATIONSPHASE

Bei photoperiodischen Sorten hast du die volle Kontrolle über die Länge, indem du den Zeitpunkt der Umstellung auf einen 12/12-Lichtzyklus selbst wählst:

Im Freiland (Outdoor) läuft die Veg-Phase deutlich länger und wird nicht künstlich gesteuert: Photoperiodische Sorten wachsen von der Aussaat im Frühjahr bis zum natürlichen Kürzerwerden der Tage im Spätsommer, oft 3–5 Monate am Stück, und erreichen dabei entsprechend größere Ausmaße als Indoor-Pflanzen. Autoflower-Sorten haben unabhängig vom Standort keine steuerbare Veg-Phase. Sie wächst etwa 2–4 Wochen automatisch, bevor die Blüte einsetzt.

// OPTIMALE BEDINGUNGEN

Nährstoffe in der Veg: Die Pflanze braucht viel Stickstoff (N) für Blatt- und Stängelwachstum. Ein NPK-Verhältnis wie 3-1-2 ist typisch für die Vegetationsphase. Zu wenig Stickstoff zeigt sich meist zuerst an den unteren, älteren Blättern durch ein blasses, gelbliches Grün, da die Pflanze mobile Nährstoffe aus alten Blättern in neues Wachstum umleitet.

// TRAINING IN DER VEG-PHASE

Die Vegetationsphase ist der ideale Zeitraum für Trainingsmaßnahmen. Die Pflanze erholt sich schnell und hat Zeit, ihre Struktur zu entwickeln:

Trainingstechniken sollten mindestens 1–2 Wochen vor der geplanten Blüteeinleitung abgeschlossen sein, damit sich die Pflanze vor der stressreicheren Streckphase erholen kann. Formative Schnitte wie Topping wirken am effektivsten in der frühen bis mittleren Veg, wenn die Pflanze noch genug Zeit hat, mehrere neue Haupttriebe auszubilden und diese vor der Blüte gleichmäßig zu belichten.

// WANN IST DIE PFLANZE BEREIT FÜR DIE BLÜTE?

Als Faustregel gilt: Die Pflanze sollte mindestens die halbe Endgröße erreicht haben, wenn du die Blüte einleitest. Denn in den ersten 2–3 Wochen der Blüte (Streckphase) kann die Pflanze noch um 50–100% ihrer Größe wachsen. Ein häufiger Fehler ist, zu früh in die Blüte zu wechseln.

Bei photoperiodischen Sorten indoor löst du diesen Wechsel selbst aus, indem du den Lichtzyklus von 18/6 auf 12/12 umstellst. Die längere, ununterbrochene Dunkelphase signalisiert der Pflanze, dass die Tage kürzer werden, so wie es im Freiland im Spätsommer natürlich passiert, und stößt die Bildung von Blütenansätzen an. Outdoor übernimmt die tatsächliche Jahreszeit diese Funktion automatisch, sobald die Tageslänge im Spätsommer unter etwa 12–14 Stunden fällt. Autoflower-Sorten dagegen reagieren nicht auf die Tageslänge, sondern schalten anhand eines internen, genetisch festgelegten Zeitplans automatisch von Veg in die Blüte um, unabhängig davon, wie viele Stunden Licht sie bekommen.

// HÄUFIGE FEHLER

// HÄUFIGE FRAGEN

Wie lange sollte die Vegetationsphase mindestens dauern?

Für Homegrow-Setups mit einer Growbox sind 4–6 Wochen üblich, kürzer oder länger ist je nach gewünschter Pflanzengröße möglich.

Können Autoflower-Sorten in der Vegetationsphase verlängert werden?

Nein. Sie wechseln nach einem internen, altersgesteuerten Zeitplan automatisch in die Blüte, unabhängig vom Lichtzyklus.

Was passiert, wenn man zu früh in die Blüte wechselt?

Die Pflanze hat weniger Zeit für Wurzel- und Aststruktur, was das spätere Ertragspotenzial begrenzen kann.

Braucht die Vegetationsphase draußen einen 18/6-Lichtzyklus?

Nein, im Freiland übernimmt die natürliche Tageslänge diese Funktion automatisch.

Wie erkennt man, dass eine Pflanze bereit für die Blüte ist?

Als Faustregel gilt: mindestens die halbe gewünschte Endgröße, da die Pflanze in der Streckphase noch deutlich weiterwächst.

// WEITERFÜHRENDE PRAXIS-ANLEITUNG

Der VPD-Wert von 0,8–1,2 kPa in der Veg ist kein Zufall — er bestimmt, wie effizient deine Pflanze Nährstoffe aufnimmt und wächst. Im ausführlichen Praxis-Guide erfährst du, wie du VPD in deinem Growraum messen, berechnen und phasengenau einstellen kannst.

> VPD Praxis-Guide lesen