Die Blütephase ist der zweite große Lebensabschnitt der Cannabispflanze und das Ziel jedes Grows. In dieser Phase stellt die Pflanze das vegetative Wachstum weitgehend ein, produziert stattdessen Blütenkolben (Buds), füllt sie mit Harz und entwickelt ihre vollen Cannabinoid- und Terpen-Profile. Die Blütephase endet mit der Ernte, typischerweise nach 8 bis 10 Wochen bei photoperiodischen Sorten.
// EINLEITUNG DER BLÜTE
Bei photoperiodischen Sorten wird die Blüte durch den Wechsel auf einen 12/12-Lichtzyklus eingeleitet – 12 Stunden Licht, 12 Stunden vollständige Dunkelheit. Dieser Trigger ahmt die kürzer werdenden Tage im Herbst nach, unter denen Cannabis in freier Natur zu blühen beginnt. Outdoor passiert das automatisch mit dem natürlichen Sonnenverlauf ab Spätsommer; Indoor musst du den Lichtzyklus am Timer manuell umstellen. Bei Autoflower-Sorten beginnt die Blüte dagegen automatisch nach etwa 2–4 Wochen Vegetationszeit, unabhängig vom Lichtzyklus – mehr dazu im Abschnitt weiter unten.
Ab dem Umstellungszeitpunkt ist absolute Lichtdichtheit während der 12 Stunden Dunkelphase entscheidend. Schon kurze Lichteinstrahlung (ein geöffnetes Zelt, ein Handy-Display, ein Lichtspalt am Reißverschluss) kann die Pflanze so stressen, dass sie männliche Blüten ausbildet und sich selbst bestäubt.
// PHASEN INNERHALB DER BLÜTE
Woche 1–3: Streckphase
Direkt nach dem Lichtwechsel wächst die Pflanze noch stark weiter, teilweise bis zu 100% ihrer bisherigen Höhe – bekannt als "Blütestreckung" oder Stretch. Wer mit ScrOG oder LST arbeitet, sollte diese Phase einplanen und nicht zu spät in die Blüte schicken, um den Screen nicht zu sprengen. Erste weiße Pistillen (Stigmen) erscheinen an den Blütenansätzen.
Woche 3–5: Frühe Blütenbildung
Die Buds beginnen sich zu formen. Immer mehr Blütenkelche stapeln sich übereinander. Die Pflanze produziert kaum noch neue Blätter und konzentriert sich auf die Blütenentwicklung. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für eine letzte, leichte Defoliation, um Licht und Luft an untere Blütenansätze zu bringen.
Woche 5–8: Hauptblüte
Die Buds nehmen stark an Masse zu und werden harzig. Die Trichome füllen sich. Der Geruch wird intensiv – ein gut dimensionierter Aktivkohlefilter ist spätestens jetzt Pflicht. Temperatur und VPD sind in dieser Phase besonders wichtig für Dichte und Qualität der Buds.
Woche 8–10+: Reifephase
Das Wachstum stoppt, die Pflanze reift aus. Trichome wechseln die Farbe (klar → milchig → bernstein). Die Pistillen verfärben sich von weiß zu orange/braun. Der Trichom-Status ist der zuverlässigste Erntezeitpunkt-Indikator, deutlich genauer als die Pistillenfarbe allein.
Erntezeichen: 70–90% milchige Trichome + erste Amber-Trichome = optimaler Erntezeitpunkt für die meisten Sorten und Ziele. Details zur Trichom-Bewertung findest du im Beitrag zu bernsteinfarbenen Trichomen.
// LICHT UND SPEKTRUM IN DER BLÜTE
Neben der Zyklusdauer verändert sich in der Blüte auch der ideale Lichtbedarf. Die Daily Light Integral (DLI) sollte in der Hauptblüte auf 35–65 mol/m²/Tag steigen, deutlich höher als in der Vegetationsphase. Viele Growerinnen und Grower erhöhen ab der Streckphase außerdem den Rotanteil im Spektrum leicht, da rotes und fernrotes Licht mit der Blütenbildung assoziiert wird – ein Vollspektrum-LED mit einstellbaren Kanälen deckt das meist automatisch ab.
// NÄHRSTOFFE IN DER BLÜTE
Die Bedürfnisse der Pflanze ändern sich in der Blüte deutlich, siehe auch NPK-Verhältnis und Mikro-/Makronährstoffe:
- Weniger Stickstoff (N): Zu viel N in der Spätblüte gibt Grasgeschmack und verzögert die Reifung
- Mehr Phosphor (P) und Kalium (K): Fördern Bud-Entwicklung und Verharzung
- Flush: 1–2 Wochen vor der Ernte nur noch klares, pH-eingestelltes Wasser. Das soll Nährstoffrückstände auswaschen und den Geschmack verbessern
// OPTIMALE BEDINGUNGEN IN DER BLÜTE
- Temperatur: 20–26°C, in der Spätblüte ruhig kühler (18–22°C)
- Luftfeuchtigkeit: Sinkt von 50% (Anfang) auf 40–45% (Spätblüte), um Schimmel zu vermeiden – siehe Relative Luftfeuchtigkeit
- VPD: 1,0–1,5 kPa
- Lüftung: Gute Luftzirkulation (Umluft) ist essentiell gegen Mehltau und Botrytis (Grauschimmel)
// PHOTOPERIODISCH VS. AUTOFLOWER IN DER BLÜTE
Bei photoperiodischen Sorten bestimmst du selbst, wann die Blüte startet, indem du den Lichtzyklus umstellst – das gibt dir volle Kontrolle über die Vegetationsdauer und damit die Endgröße der Pflanze. Autoflowering-Sorten blühen dagegen unabhängig vom Lichtzyklus rein altersbasiert und können durchgehend bei 18/6 oder sogar 20/4 weiterlaufen, was oft leicht höhere Gesamterträge pro Zyklus ermöglicht, aber weniger Spielraum für Trainingstechniken lässt, da die Vegetationsphase kurz und fix ist.
// HÄUFIGE FEHLER
- Zu früh ernten: Weniger Wirkstoffgehalt, unreifer Geruch und Geschmack
- Zu spät ernten: THC degradiert zu CBN, Wirkung wird sedierender
- Lichtlecks während der Dunkelphase: Stresst die Pflanze, kann Zwitter auslösen
- Zu hohe Luftfeuchtigkeit in der Spätblüte: Schimmelrisiko bei dichten Buds
- Zu viel Stickstoff in der Spätblüte: verzögert die Reifung und beeinträchtigt den Geschmack
- Training zu spät in der Blüte: Nach der Streckphase reagiert die Pflanze kaum noch auf Topping oder starkes LST
// HÄUFIGE FRAGEN
Wie lange dauert die Blütephase bei Cannabis?
Bei den meisten photoperiodischen Sorten 8 bis 10 Wochen ab dem Lichtwechsel, bei sativa-dominanten Genetiken auch 11 bis 12 Wochen. Autoflowering-Sorten blühen meist etwas kürzer, oft 7 bis 9 Wochen ab Blütebeginn.
Kann ich die Blüte durch mehr Licht beschleunigen?
Nein. Die Blütedauer ist genetisch festgelegt und wird nicht durch mehr Lichtintensität verkürzt. Zu viel Licht kann in der Spätblüte sogar zu Lichtstress und Bleaching an den obersten Buds führen.
Warum entwickeln sich meine Buds so langsam?
Häufige Ursachen sind zu wenig Licht (PAR/DLI zu niedrig), Nährstoffmangel bei P und K, ein zu hoher oder zu niedriger VPD-Wert oder schlicht eine sativa-lastige Genetik mit längerer Blütezeit.
Was passiert bei einem Lichtleck während der Blüte?
Selbst kurze Lichteinstrahlung während der Dunkelphase kann die Pflanze so stressen, dass sie männliche Blüten (Zwitter) ausbildet, die die Ernte durch Selbstbestäubung gefährden. Growzelte sollten in der Blüte absolut lichtdicht sein.