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Das Cannabis Grow‑Lexikon

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DLI (Daily Light Integral)

TECHNIKLICHTMESSUNGBERECHNUNG

Der DLI (Daily Light Integral, Tages-Lichtintegral) gibt an, wie viele Photonen im PAR-Bereich eine Pflanzenfläche über einen kompletten Tag erhält. Die Einheit ist mol/m²/Tag. Der DLI ist die aussagekräftigste Größe für die tatsächliche Lichtversorgung einer Pflanze, weil er sowohl Intensität als auch Beleuchtungsdauer berücksichtigt.

// DLI BERECHNEN

Die Formel ist einfach:

DLI = PPFD (µmol/m²/s) × Beleuchtungsstunden × 3,6

Beispiel: Eine Lampe liefert 600 µmol/m²/s bei einem 18/6-Zyklus (18 Stunden Licht):

DLI = 600 × 18 × 3,6 = 38,9 mol/m²/Tag

Schnellrechner: PPFD × Lichtstunden × 3,6 = DLI. Oder umgekehrt: Ziel-DLI ÷ (Lichtstunden × 3,6) = benötigte PPFD.

// DLI-RICHTWERTE FÜR CANNABIS

// WARUM DLI WICHTIGER IST ALS NUR PPFD

Zwei Grows mit identischer PPFD können sehr unterschiedliche Ergebnisse liefern, wenn die Beleuchtungsdauer unterschiedlich ist. Ein Grow mit 800 µmol/m²/s für 12 Stunden hat einen niedrigeren DLI als einer mit 600 µmol/m²/s für 18 Stunden. Der DLI verbindet beide Faktoren zu einer aussagekräftigen Zahl.

// DLI BEI OUTDOOR-GROWS

Beim Außenanbau schwankt der DLI je nach Jahreszeit und Breitengrad erheblich. In Deutschland liegt der maximale DLI im Hochsommer bei ca. 40–50 mol/m²/Tag an sonnigen Tagen, im Frühjahr und Herbst deutlich darunter. Das erklärt, warum Outdoor-Cannabis oft erst im Sommer richtig Gas gibt und bei bewölktem Wetter langsamer wächst. An bedecktem Tagen kann der DLI auf 15–20 mol/m²/Tag einbrechen, selbst wenn es draußen subjektiv noch hell wirkt. Ein Sonnensegel zum Schutz vor Starkregen oder extremer Mittagshitze reduziert den DLI zusätzlich und sollte nur so lange wie nötig eingesetzt werden.

// DLI UND CO2-ANREICHERUNG

Ohne zusätzliches CO2 liegt die natürliche CO2-Konzentration der Raumluft bei etwa 400–420 ppm. Bei dieser Konzentration limitiert CO2 irgendwann die Photosyntheserate, egal wie viel Licht zur Verfügung steht. Deshalb bringt eine Steigerung des DLI über etwa 45–55 mol/m²/Tag ohne CO2-Anreicherung meist keinen zusätzlichen Ertrag mehr. Erst mit CO2-Zugabe auf 1.000–1.500 ppm kann die Pflanze höhere DLI-Werte bis in den Bereich von 60–65 mol/m²/Tag tatsächlich in Wachstum umsetzen. Wer ohne CO2-Anreicherung growt, sollte sein Lichtbudget also nicht auf die Maximalwerte hin optimieren, sondern im Bereich der Blüten-Richtwerte bleiben.

// DLI UND DIMMEN VON LED-LAMPEN

Moderne LED-Lampen lassen sich dimmen. Anstatt eine schwache Lampe auf 100% zu betreiben, kann man eine starke Lampe auf 50–60% dimmen und erhält oft gleichmäßigere Lichtverteilung bei gleichem DLI. Beim Dimmen sinkt die PPFD, was durch längere Beleuchtungszeit kompensiert werden kann, ohne den DLI zu verändern.

// DLI ÜBER DEN GROW-ZYKLUS TRACKEN

Der DLI ist kein statischer Wert, den man einmal berechnet und dann vergisst. Sinnvoll ist es, ihn in jeder Phase neu zu prüfen und mit dem Wachstumsverlauf abzugleichen. Wächst eine Pflanze trotz augenscheinlich ausreichendem DLI langsam, liegt das Problem eher bei Nährstoffen, Wurzelraum oder Luftfeuchtigkeit. Wächst sie hingegen zäh und dünn bei niedrigem DLI, ist meist zu wenig Licht die Ursache. Wer den DLI beim Wechsel von Veg zu Blüte erhöht (weniger Stunden, aber mehr Intensität), sollte auch die VPD-Werte im Blick behalten, da mehr Lichtintensität auch mehr Wärme und Transpiration bedeutet.

// PRAXISBEISPIEL: ZWEI SETUPS IM VERGLEICH

Um den Unterschied zwischen Intensität und Beleuchtungsdauer greifbar zu machen, ein direkter Vergleich zweier Setups mit identischer Lampe:

Setup A (12/12-Zyklus von Anfang an, wie bei manchen Autoflower-Strategien): 500 µmol/m²/s × 12 Stunden × 3,6 = 21,6 mol/m²/Tag. Das liegt am unteren Rand des Sämlingsbereichs und ist für die Vegetationsphase zu wenig.

Setup B (18/6-Zyklus): 500 µmol/m²/s × 18 Stunden × 3,6 = 32,4 mol/m²/Tag, deutlich näher am empfohlenen Veg-Bereich von 25–40 mol/m²/Tag.

Wer aus Stromspargründen bei 12 Stunden bleiben will, müsste die PPFD auf etwa 32,4 ÷ (12 × 3,6) ≈ 750 µmol/m²/s erhöhen, um denselben DLI wie Setup B zu erreichen. Das zeigt, warum ein Blick auf die reine PPFD ohne die Lichtstunden wenig aussagt.

// HÄUFIGE FEHLER

// HÄUFIGE FRAGEN

Wie berechne ich den DLI ohne PAR-Meter?

Am einfachsten über die PPFD-Herstellerangabe des Lampenherstellers für den jeweiligen Abstand, multipliziert mit den Lichtstunden und 3,6. Genauer ist ein eigenes PAR-Meter, weil Herstellerangaben oft im Idealfall unter der Lampe gemessen wurden.

Kann der DLI zu hoch sein?

Ja. Ohne CO2-Anreicherung stagniert der Ertrag oberhalb von etwa 60–65 mol/m²/Tag, weil die Photosyntheserate durch die CO2-Verfügbarkeit begrenzt wird. Zusätzliches Licht wird dann nur noch in Wärme umgesetzt.

Ist ein höherer DLI immer besser für den Ertrag?

Nur bis zu einem sortenabhängigen Sättigungspunkt. Danach bringt mehr DLI keinen zusätzlichen Ertrag mehr, sondern nur höhere Stromkosten und mehr Hitzestress.

Sollte ich DLI oder PPFD als Kaufkriterium für eine Lampe nutzen?

Beides zusammen. PPFD zeigt die Momentanleistung der Lampe, DLI zeigt, was am Ende des Tages bei der Pflanze ankommt. Eine schwächere Lampe kann durch längere Beleuchtungszeit denselben DLI erreichen wie eine starke Lampe mit kürzerer Zeit.

Wie verändert sich der DLI beim Wechsel von 18/6 auf 12/12?

Bei gleicher PPFD sinkt der DLI um ein Drittel, weil die Beleuchtungsdauer von 18 auf 12 Stunden fällt. Viele Grower erhöhen deshalb beim Umstieg in die Blüte die PPFD, um den DLI im Zielbereich zu halten.