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Das Cannabis Grow‑Lexikon

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PAR (Photosynthetically Active Radiation)

TECHNIKLICHTSPEKTRUMGRUNDLAGEN

PAR steht für Photosynthetically Active Radiation, also photosynthetisch aktive Strahlung. Es bezeichnet den Wellenlängenbereich des Lichts, den Pflanzen für die Photosynthese nutzen können. Dieser Bereich liegt zwischen 400 und 700 Nanometern (nm) und umfasst das gesamte sichtbare Lichtspektrum von Violett bis Dunkelrot.

// WARUM DIESER WELLENLÄNGENBEREICH?

Pflanzliche Pigmente wie Chlorophyll a und b absorbieren Licht besonders effizient im blauen Bereich (um 430–450 nm) und im roten Bereich (um 640–680 nm). Das grüne Licht in der Mitte des Spektrums wird weniger effizient genutzt und zum größten Teil reflektiert. Deshalb sehen Pflanzen für uns grün aus.

// PAR, PPFD UND DLI: DER UNTERSCHIED

Einfache Analogie: PAR ist der Regen. PPFD ist, wie stark es gerade regnet. DLI ist, wie viel Regen an einem Tag insgesamt gefallen ist.

// ERWEITERTES SPEKTRUM: ePAR UND UV/IR

Neuere Forschung zeigt, dass auch Wellenlängen außerhalb des klassischen PAR-Bereichs für Pflanzen relevant sind. Der erweiterte Bereich ePAR (ePAR = 380–780 nm) schließt UV-A (380–400 nm) und nahes Infrarot (700–780 nm) ein. Modernes LED-Licht nutzt dieses erweiterte Spektrum für bessere Ergebnisse:

// BLAUES VERSUS ROTES LICHT IM GROW

Die Lichtfarbe hat direkten Einfluss auf das Pflanzenverhalten:

// PAR-METER IM EINSATZ

Ein PAR-Meter (Quantum Meter) misst die PPFD im PAR-Bereich. Beim Kauf sollte man auf einen Sensor achten, der den vollen 400–700 nm Bereich gleichmäßig erfasst. Günstige Modelle haben oft Schwächen bei bestimmten Wellenlängen, besonders bei modernen LED-Leuchten mit schmalen Peaks im Spektrum.

// DIE MCCREE-KURVE: PAR IST NICHT GLEICH PAR

Innerhalb des 400–700 nm Bereichs sind nicht alle Wellenlängen gleich effizient für die Photosynthese. Die sogenannte McCree-Kurve, benannt nach dem Pflanzenphysiologen Keith McCree, zeigt die relative photosynthetische Quantenausbeute über das Spektrum: Sie hat Höhepunkte im roten Bereich um 620–670 nm und im blauen Bereich um 430–460 nm, mit einer Delle im reinen Grünbereich um 550 nm. Das bedeutet: Zwei Lampen mit identischer PPFD, aber unterschiedlichem Spektrum, können trotzdem unterschiedlich viel Photosynthese antreiben. In der Praxis ist dieser Unterschied bei modernen Vollspektrum-LEDs meist gering, weil sie ohnehin Schwerpunkte im roten und blauen Bereich setzen.

// JENSEITS DER PHOTOSYNTHESE: PHOTOMORPHOGENESE

PAR beschreibt nur die Energie für die Photosynthese. Cannabis reagiert aber auch über eigene Photorezeptoren auf das Lichtspektrum, unabhängig vom reinen Energiegehalt:

Diese Effekte erklären, warum reines PAR (Menge des nutzbaren Lichts) nicht die ganze Geschichte erzählt. Zwei Grows mit identischem PAR-Wert, aber unterschiedlichem Rot-Blau-Verhältnis, können sich in Wuchsform deutlich unterscheiden.

// PAR IM OUTDOOR-GROW

Auch beim Anbau auf Balkon oder im Garten ist PAR relevant, nur liefert hier die Sonne das Spektrum statt einer Lampe. Direktes Sonnenlicht deckt den gesamten PAR-Bereich natürlich und gleichmäßig ab, allerdings schwankt die Intensität stark mit Tageszeit, Bewölkung und Jahreszeit. Ein Sonnensegel zum Schutz vor extremer Mittagshitze reduziert zwangsläufig auch die PAR-Menge, die bei der Pflanze ankommt, weshalb es nur so lange wie nötig eingesetzt werden sollte, um den Lichtgewinn nicht unnötig zu schmälern.

// PAR-KARTEN: DIE VERTEILUNG IM RAUM MESSEN

Eine einzelne Messung in der Mitte des Growraums sagt wenig über die tatsächliche Lichtverteilung aus. Eine PAR-Karte (auch PPFD-Karte genannt) entsteht, indem man den Sensor an mehreren Punkten in einem Raster über die Anbaufläche hält, etwa alle 20–30 cm, und die Werte in einer Tabelle oder einfachen Skizze festhält. So wird sichtbar, wo Hotspots mit sehr hoher Intensität liegen und wo Randbereiche unterversorgt sind. Gerade bei mehreren Lampen oder unregelmäßig geformten Zelten ist das der einzige Weg, die reale Lichtverteilung statt nur einen Idealwert unter der Lampenmitte zu kennen. Wer feststellt, dass die Randbereiche deutlich schwächer beleuchtet sind, kann durch SCROG-Techniken oder eine Anpassung der Pflanzenverteilung gegensteuern.

// HÄUFIGE MISSVERSTÄNDNISSE

// HÄUFIGE FRAGEN

Ist grünes Licht für Cannabis nutzlos?

Nein, das ist ein Mythos. Grünes Licht wird zu einem geringeren Anteil absorbiert als rotes und blaues Licht, dringt dafür aber tiefer in das Blattwerk und den unteren Bereich der Pflanze ein, wo rotes und blaues Licht kaum ankommen.

Gibt es einen PAR-Wert, den ich beim Lampenkauf vergleichen kann?

Nicht direkt. PAR ist ein Wellenlängenbereich, keine Messzahl. Vergleichbar sind PPFD (Intensität) und der PPE-Wert in µmol/J (Effizienz).

Warum haben manche LEDs einen violetten Schimmer?

Das liegt am hohen Rot- und Blauanteil bei gleichzeitig wenig Grünanteil im Spektrum, der sogenannten Blurple-Optik älterer LED-Generationen. Moderne Vollspektrum-LEDs wirken dagegen eher weiß, weil sie das ganze PAR-Spektrum gleichmäßiger abdecken.

Beeinflusst PAR auch das Aussehen der Pflanze, nicht nur das Wachstum?

Ja. Über Photorezeptoren wie Phytochrom und Cryptochrom steuert das Lichtspektrum auch Wuchsform, Internodienabstand und die Einleitung der Blüte, unabhängig von der reinen Photosyntheseleistung.

Braucht jede Wachstumsphase ein anderes PAR-Spektrum?

Ein gutes Vollspektrum funktioniert in allen Phasen. Wer optimieren will, kann den Blauanteil in der Vegetationsphase leicht erhöhen und in der Blüte mehr Rot- und Far-Red-Anteil nutzen.