RDWC (Recirculating Deep Water Culture) ist die vernetzte Weiterentwicklung von DWC. Statt jede Pflanze in einem isolierten Eimer wachsen zu lassen, werden mehrere Eimer über Schläuche mit einem gemeinsamen Vorratstank verbunden. Eine zentrale Pumpe zirkuliert die Nährstofflösung durch das gesamte System, sodass alle Pflanzen aus demselben Wasserkreislauf versorgt werden.
// AUFBAU EINES RDWC-SYSTEMS
- Haupttank (Reservoir): Zentraler Vorratsbehälter für die gesamte Nährstofflösung, meist 50–200 Liter je nach Anzahl der Pflanzen
- Pflanzeneimer: Mehrere baugleiche Eimer mit Netztopf, verbunden über Zulauf- und Rücklaufschläuche oder ein durchgängiges Rohrsystem
- Umwälzpumpe: Bewegt die Lösung kontinuierlich zwischen Tank und Eimern, sorgt für gleichmäßige Verteilung von Sauerstoff, pH und Nährstoffen
- Luftpumpe & Luftsteine: Zusätzlich zur Umwälzung meist auch aktive Belüftung im Haupttank und/oder in den Eimern
- Überlauf-/Niveauregulierung: Hält den Wasserstand in allen verbundenen Eimern konstant auf gleicher Höhe
// FUNKTIONSPRINZIP
Weil alle Eimer am selben Kreislauf hängen, wirkt sich jede Anpassung sofort auf das gesamte System aus: Ein pH-Korrektur im Haupttank verändert den Wert für sämtliche angeschlossenen Pflanzen gleichzeitig. Das große gemeinsame Wasservolumen puffert Schwankungen deutlich besser als ein einzelner DWC-Eimer und bleibt temperaturstabiler, weil sich mehr Wasser langsamer erwärmt oder abkühlt.
Unterschied zu DWC: Klassisches DWC arbeitet mit vollständig getrennten, unabhängigen Eimern. RDWC verbindet sie zu einem Kreislauf mit zentraler Steuerung. Ein direkter Vergleich beider Systeme findet sich im Ratgeber DWC vs. RDWC.
// VORTEILE VON RDWC
- Zentrale Steuerung: pH- und EC-Korrektur, Düngerzugabe und Wasserwechsel erfolgen einmal am Haupttank statt in jedem Eimer einzeln
- Stabileres Klima im Wurzelbereich: Großes Wasservolumen puffert Temperatur- und Nährstoffschwankungen spürbar besser als kleine Einzeleimer
- Skalierbar: Ideal für Multi-Pflanzen-Setups mit gleichbleibender Genetik, z. B. in Kombination mit ScrOG oder SOG
- Weniger Handarbeit pro Pflanze: Trotz mehr Pflanzen im Setup sinkt der Kontrollaufwand pro Pflanze, da nur ein Kreislauf gemessen und gepflegt wird
// NACHTEILE VON RDWC
- Systemisches Risiko: Bekommt eine Pflanze Wurzelfäule oder Algen, verteilt sich das Problem über den gemeinsamen Kreislauf potenziell auf alle angeschlossenen Eimer
- Höhere Anschaffungskosten: Zusätzliche Pumpe, Schlauchsystem, größerer Tank und meist mehr Zubehör als bei einzelnen DWC-Eimern
- Komplexerer Aufbau: Verrohrung, Niveauausgleich und Pumpendimensionierung erfordern mehr Planung als ein einzelner DWC-Eimer
- Keine individuelle Steuerung je Pflanze: Alle Pflanzen im Kreislauf erhalten zwangsläufig dieselbe Nährlösung, unterschiedliche Sorten mit unterschiedlichem Bedarf lassen sich nicht getrennt fahren
- Größerer Schaden bei Pumpenausfall: Fällt die zentrale Pumpe aus, sind alle Pflanzen gleichzeitig betroffen statt nur eine
Hygiene ist Pflicht: Weil sich Krankheitserreger im RDWC-Kreislauf ungehindert zwischen allen Eimern verteilen können, ist konsequente Hygiene wichtiger als bei DWC. Regelmäßige Reinigung von Tank, Schläuchen und Pumpe sowie der Einsatz von H₂O₂ oder nützlichen Mikroorganismen zur Vorbeugung von Wurzelfäule gehören zur Standardpflege.
// PH UND EC BEIM RDWC-SYSTEM
Dank des größeren Gesamtvolumens sind Messwerte im Haupttank stabiler als in einem einzelnen DWC-Eimer, tägliche Kontrolle bleibt aber Pflicht. Optimaler pH-Bereich: 5,5–6,1. EC-Werte üblicherweise 0,8–1,4 mS/cm in der Vegetationsphase und 1,4–2,2 mS/cm in der Blüte. Mehr dazu im pH-Wert- und EC-Wert-Artikel.
Noch unsicher, ob sich der höhere Aufwand für RDWC lohnt oder ob einfaches DWC ausreicht? Der Ratgeber DWC vs. RDWC im Vergleich hilft bei der Entscheidung.