Umluft bezeichnet die aktive Luftzirkulation innerhalb des Growzelts durch einen oder mehrere Ventilatoren. Im Gegensatz zum Abluftsystem, das Luft aus dem Zelt herausbringt, sorgt die Umluft für Bewegung der Luft innerhalb des Zelts. Diese Bewegung ist keine Kür, sondern eine biologische Notwendigkeit für gesunde Cannabispflanzen.
// WARUM LUFTZIRKULATION SO WICHTIG IST
Schimmelprävention
Stagnante Luft in dichten Blätterdächern oder zwischen Blüten erzeugt feuchte Taschen, in denen sich Schimmel und Botrytis optimal entwickeln können. Bewegte Luft verteilt die Feuchtigkeit gleichmäßig und verhindert lokale Feuchtigkeitsspitzen. In der Spätblüte mit dichten Kolas ist gute Umluft neben niedrigem RLF der wichtigste Schutzmechanismus gegen Blütenfäule.
Stammtraining durch Wind (Thigmomorphogenese)
Pflanzen, die in der Natur Wind ausgesetzt sind, entwickeln dickere, stabilere Stängel als Pflanzen in absoluter Windstille. Dieser Effekt heißt Thigmomorphogenese und lässt sich im Growzelt gezielt nutzen. Ein sanfter Luftstrom, der die Pflanzen leicht zum Schwingen bringt, fördert das Dickenwachstum der Stängel. Dickere Stängel transportieren mehr Wasser und Nährstoffe und tragen schwerere Blüten ohne zu kippen.
CO₂-Versorgung und gleichmäßige Klimaverteilung
Pflanzen verbrauchen CO₂ durch Photosynthese. Direkt an den Blättern kann sich eine CO₂-arme Schicht bilden, wenn die Luft nicht bewegt wird. Umluft mischt die Luft durch und sorgt für kontinuierliche CO₂-Versorgung an den Blättern. Gleichzeitig verhindert sie Temperaturschichten: Warme Luft steigt auf, kühle Luft sinkt. Ohne Umluft entsteht oben im Zelt (direkt unter der Lampe) eine Hitzezone und unten eine kühlere Zone.
VPD-Ausgleich
Der VPD-Wert ist an verschiedenen Stellen im Zelt unterschiedlich, wenn die Luft nicht zirkuliert. Direkt unter der Lampe ist es wärmer und trockener, am Boden kühler und feuchter. Umluft gleicht diese Unterschiede aus und sorgt für einen gleichmäßigeren VPD im gesamten Zelt.
// WELCHE ARTEN VON VENTILATOREN GIBT ES?
Clip-Ventilatoren
Kleine, kostengünstige Ventilatoren mit Klemmbefestigung am Zeltgestell. Ideal für kleine Zelte (60×60 bis 80×80 cm). Können auf verschiedene Höhen geklippt und auf die Pflanzen ausgerichtet werden. Nachteil: Blasen kontinuierlich in eine Richtung, was manche Blätter überstrapazieren kann.
Oszillierende Ventilatoren
Drehen sich langsam hin und her und verteilen den Luftstrom über einen breiten Bereich. Besser als stationäre Ventilatoren, weil kein dauerhafter Direktstrom auf die Pflanzen trifft. Mehr dazu im Wiki-Artikel zum Oszillierenden Ventilator.
Inline-Ventilatoren als Umluft
In größeren Setups können Inline-Lüfter als interne Umluftlüfter eingesetzt werden, um Luft von unten nach oben oder durch den Blätterdach zu drücken. Aufwändigere Lösung, aber sehr effektiv in großen Zelten.
// RICHTIGE POSITIONIERUNG
- Ventilator nicht direkt auf die Blüten blasen, besonders in der Reifephase. Zu starker Wind trocknet Blüten aus und kann Trichome beschädigen.
- Lieber von der Seite auf den Stängelbereich oder in die Mitte des Baldachins richten.
- In kleinen Zelten reicht oft ein einzelner Clip-Ventilator. In 120×120-Zelten besser zwei auf gegenüberliegenden Seiten.
- Den Ventilator so positionieren, dass die Pflanzen leicht schwingen, aber nicht stark ausgelenkt werden. Das ist die richtige Intensität.
// VENTILATOR AUS WÄHREND DER DUNKELPHASE?
Die Umluft kann durchgehend laufen, auch in der Dunkelphase. Schimmel kennt keinen Tag-Nacht-Rhythmus und feuchte Luft kondensiert in der Dunkelphase häufig sogar stärker, weil die Temperatur sinkt. Ein dauerhaft laufender Ventilator auf niedriger Stufe ist sinnvoll. Alternativ einen Timer nutzen, der den Ventilator im Takt der Dunkelphase auf 50% Leistung reduziert, um Strom zu sparen.
Geräusch: Billige Ventilatoren können störend laut sein. Wer in einer Mietwohnung anbaut und Lärmübertragung vermeiden will, sollte auf laufruhige Modelle achten. Entkoppler zwischen Ventilator und Metallgestell reduzieren Vibrationsübertragung.