Das Abluftsystem ist neben der Lampe die wichtigste technische Komponente im Growzelt. Es sorgt für frische Luft und CO₂-Nachschub, reguliert Temperatur und Luftfeuchtigkeit, verhindert Hitzestau und, durch den obligatorischen Aktivkohlefilter, für Geruchsneutralisation. Wer sein Belüftungssystem falsch dimensioniert oder falsch aufbaut, kämpft den gesamten Grow gegen schlechtes Klima.
// ABLUFT: DIE GRUNDIDEE
Warme, feuchte, geruchsbelastete Luft wird aus dem Growzelt herausgezogen und durch den Aktivkohlefilter gereinigt nach außen geleitet. Gleichzeitig strömt über Öffnungen am unteren Teil des Zelts frische Außenluft nach. Dieses System schafft einen kontinuierlichen Luftwechsel und hält das Klima im Zelt stabil. Als Nebeneffekt entsteht durch die aktiv abgesaugte Luft ein leichter Unterdruck im Zelt, der verhindert, dass ungefilterte Luft durch Ritzen und Nähte nach außen dringt.
Reihenfolge im Abluftsystem: Growzelt → Aktivkohlefilter → Inline-Lüfter → Abluftschlauch → nach außen. Der Lüfter saugt die Luft durch den Filter, nicht umgekehrt. Das verlängert die Filterlebensdauer und verbessert die Geruchsfilterung.
// LÜFTER DIMENSIONIEREN
Die Lüfterleistung wird in m³/h (Kubikmeter pro Stunde) angegeben. Als Faustregel gilt: Das Luftvolumen des Zelts sollte mindestens einmal pro Minute, also 60 Mal pro Stunde, ausgetauscht werden. Für ein 120×120×200 cm Zelt (Volumen: 2,88 m³) wäre das ein Lüfter mit mindestens 173 m³/h. Da Filter und Schläuche den Luftwiderstand erhöhen, sollte man einen Puffer einplanen und eher einen etwas stärkeren Lüfter mit Drehzahlregler wählen.
- 60×60-Zelt (0,43 m³): 100–150 m³/h Lüfter
- 80×80-Zelt (0,77 m³): 150–200 m³/h Lüfter
- 100×100-Zelt (1,2 m³): 200–300 m³/h Lüfter
- 120×120-Zelt (1,73 m³): 300–400 m³/h Lüfter
// ZULUFT: PASSIV ODER AKTIV?
Passive Zuluft
Bei passiver Zuluft strömt Frischluft durch Öffnungen am unteren Teil des Zelts selbständig nach, angesaugt durch den Unterdruck des Abluftlüfters. Das ist die einfachste und günstigste Lösung und funktioniert gut, wenn der Raum außerhalb des Zelts ausreichend Frischluft bietet und nicht zu warm ist. Die Zuluftöffnungen sollten im unteren Drittel des Zelts sein, da Wärme aufsteigt und der Lüfter oben im Zelt sitzt.
Aktive Zuluft
Ein zweiter Lüfter bläst aktiv Frischluft in das Zelt. Sinnvoll wenn der Außenraum sehr warm ist (Lüfter mit Kühlelement), wenn große Zelte versorgt werden müssen, oder wenn die Zuluftmenge präzise gesteuert werden soll. Die aktive Zuluft muss etwas schwächer sein als die Abluft, damit weiterhin Unterdruck entsteht.
// UNTERDRUCK: WARUM ER SO WICHTIG IST
Wenn der Abluftlüfter mehr Luft herauszieht als über die Öffnungen nachströmt, entsteht ein leichter Unterdruck im Zelt. Das ist gewollt und hat zwei wichtige Effekte: Erstens können keine ungefilterten Gerüche durch Ritzen oder Nähte nach außen dringen. Zweitens zieht das Zelt leicht nach innen, was als sichtbarer Indikator für korrekt funktionierendes System gilt. Wölben sich die Zeltwände nach außen, besteht Überdruck und ungefilterte Luft entweicht. Mehr zum Thema Geruchsbelästigung und rechtliche Pflichten.
// LÜFTER MIT DREHZAHLREGLER
Ein stufenlos regelbarer Lüfter ist deutlich flexibler als ein Lüfter mit fester Drehzahl. In der Vegetationsphase reicht oft geringere Leistung. In der Blüte mit hoher Geruchsproduktion und höherem Wärmeeintrag durch dichte Buds braucht man volle Leistung. Drehzahlregler sind günstig und lohnen sich immer.
// SCHLÄUCHE UND VERBINDUNGEN
Flexibler Aluminium-Schlauch mit passendem Durchmesser zum Lüfter und Filter (häufig 100, 125 oder 150 mm). Alle Verbindungsstellen mit Schellen fixieren und bei Bedarf mit Aluminiumband abdichten. Jedes Leck reduziert den Unterdruck und lässt ungefilterte Luft entweichen.