Raupen sind die Larven von Schmetterlingen und Motten und der gefährlichste Schädling im Outdoor-Anbau. Gefährlich sind sie weniger wegen des Fraßschadens selbst, sondern weil sie sich in die Blüten hineinfressen und dort Feuchtigkeit und Kot hinterlassen. Beides führt fast zwangsläufig zu Botrytis.
// TYPISCHES SCHADBILD
Die frühen Zeichen sind leicht zu übersehen, weil der Schaden im Inneren der Blüte beginnt:
- Kleine Bohrlöcher an Stängeln und am Ansatz der Blüten
- Dunkle Krümel, die aussehen wie feines Sägemehl oder Pfeffer. Das ist Raupenkot und der eindeutigste Hinweis überhaupt
- Einzelne braune, welke Blütenteile mitten in einem ansonsten gesunden Bud
- Angefressene Blätter mit unregelmäßigen Löchern oder abgefressenen Rändern
- Feine Gespinste zwischen Blüten und Blättern bei manchen Arten
Ein brauner Fleck mitten in einem grünen Bud ist ein Alarmzeichen. Zieh den betroffenen Teil vorsichtig auseinander. Findest du eine Raupe oder einen feuchten, braunen Kern, muss der befallene Bereich großzügig herausgeschnitten und entsorgt werden. Botrytis breitet sich von dort aus in Tagen weiter.
// WELCHE ARTEN AUFTRETEN
In Mitteleuropa sind vor allem Eulenfalterraupen relevant. Sie fressen nachts und verstecken sich tagsüber tief in der Blüte oder im Substrat, weshalb man sie bei einer flüchtigen Kontrolle am Tag kaum findet. Daneben treten an Blättern fressende Raupen verschiedener Motten- und Falterarten auf, die weniger gefährlich sind, weil sie die Blüten meist verschonen.
Die Eiablage erfolgt durch Falter, die im Spätsommer aktiv sind. Genau dann steht die Pflanze in der Blüte, was den zeitlichen Zusammenfall so unglücklich macht.
// KONTROLLIEREN UND ABSAMMELN
Im Outdoor-Anbau ab etwa August gehört die tägliche Sichtkontrolle zur Routine. Prüfe die Blüten auf Krümel, welke Stellen und Löcher. Eine Taschenlampe am Abend hilft, weil viele Arten dann aktiv werden.
Gefundene Raupen werden abgesammelt und entfernt. Das ist bei überschaubarem Befall die wirksamste Methode überhaupt, weil jede entfernte Raupe einen potenziellen Schimmelherd verhindert.
// BACILLUS THURINGIENSIS
Das wichtigste biologische Mittel gegen Raupen ist ein Bakterium: Bacillus thuringiensis, kurz Bt. Es wird als Pulver oder Suspension auf die Pflanze gesprüht und wirkt ausschließlich, wenn die Raupe behandeltes Gewebe frisst. Im Darm der Raupe entfaltet es seine Wirkung, die Raupe stellt binnen Stunden das Fressen ein und stirbt nach wenigen Tagen.
- Sehr selektiv. Wirkt auf Schmetterlingslarven und lässt Bienen, Nützlinge und Säugetiere unberührt.
- Lichtempfindlich. UV-Strahlung baut den Wirkstoff ab, deshalb abends ausbringen.
- Kurze Wirkdauer. Nach Regen und nach einigen Tagen muss erneut behandelt werden.
- Nur vorbeugend sinnvoll. Eine Raupe, die bereits tief im Bud sitzt, frisst kein besprühtes Außengewebe mehr.
Auch Bt ist ein Pflanzenschutzmittel. In Deutschland dürfen im Hausgarten nur Mittel eingesetzt werden, die für den jeweiligen Einsatzbereich zugelassen sind. Prüfe die Zulassung und das ausgewiesene Anwendungsgebiet auf der Packung, bevor du ein Präparat an einer Pflanze einsetzt, die später konsumiert wird. Auf offene Blüten kurz vor der Ernte gehört grundsätzlich nichts mehr.
// VORBEUGEN
Der wirksamste Schutz ist mechanisch. Ein feinmaschiges Insektennetz über der Pflanze, ab Beginn der Blüte angebracht, hält die eierlegenden Falter zuverlässig fern. Es kostet wenig, braucht keine Behandlung und löst das Problem an der Wurzel.
Daneben hilft alles, was die Blüten luftiger macht. Dichte, kompakte Buds bieten Raupen Schutz und halten Feuchtigkeit. Gezieltes Entlauben und eine luftige Aufstellung reduzieren beides.
Bei der Sortenwahl lohnt der Blick auf die Blütezeit. Sorten, die im September fertig sind, entgehen sowohl dem Höhepunkt der Falteraktivität als auch dem feuchten Oktoberwetter.
// NACH DER ERNTE
Beim Trimmen lohnt eine gründliche Kontrolle jedes Buds. Reste von Kot und abgestorbenem Gewebe sind Ausgangspunkte für Schimmel während Trocknung und Curing. Im Zweifel wird der betroffene Bud aussortiert statt mitgetrocknet.
// HÄUFIGE FRAGEN
Woran erkenne ich Raupen in den Blüten?
Am sichersten an dunklen Krümeln, die aussehen wie feines Sägemehl. Das ist Raupenkot. Dazu kommen kleine Bohrlöcher an Stängeln und Blütenansätzen sowie einzelne braune, welke Stellen mitten in einem sonst gesunden Bud.
Warum sind Raupen gefährlicher als andere Schädlinge?
Weil sie sich ins Innere der Blüte fressen und dort Kot und Feuchtigkeit hinterlassen. Das ist der ideale Ausgangspunkt für Botrytis, die sich von dort binnen Tagen durch den gesamten Bud zieht. Der reine Fraßschaden wäre verkraftbar, der Folgeschaden ist es nicht.
Was ist Bacillus thuringiensis und wie wird es angewendet?
Ein Bakterium, das gezielt auf Schmetterlingslarven wirkt und für Bienen, Nützlinge und Säugetiere unbedenklich ist. Es wird gesprüht und wirkt nur, wenn die Raupe behandeltes Gewebe frisst. Ausbringung am Abend, weil UV-Licht den Wirkstoff abbaut, und Wiederholung nach Regen. Prüfe vorab die Zulassung des Präparats für dein Anwendungsgebiet.
Wie schütze ich meine Outdoor-Pflanzen vor Raupen?
Am wirksamsten mit einem feinmaschigen Insektennetz, das ab Beginn der Blüte über die Pflanze gespannt wird und die eierlegenden Falter fernhält. Dazu tägliche Sichtkontrolle ab August, gefundene Raupen absammeln und luftige Blüten durch gezieltes Entlauben fördern.
Muss ich befallene Blüten wegwerfen?
Den befallenen Bereich ja, und großzügig. Wo Kot und feuchtes braunes Gewebe sitzen, hat Botrytis meist schon begonnen. Schneide den Bereich weit im Gesunden heraus und entsorge ihn außerhalb des Growbereichs. Der Rest der Pflanze bleibt bei rechtzeitigem Eingreifen verwendbar.