Ein Steckling (auch Klon genannt) ist ein abgeschnittener Trieb einer Cannabis-Mutterpflanze, der zum eigenständigen Wachsen gebracht wird. Da er genetisch identisch mit der Mutterpflanze ist, übernimmt er alle ihre Eigenschaften: Wuchsform, Blütezeit, Aroma, Wirkstoffprofil und Ertrag. Stecklinge ermöglichen es, eine besonders gute Pflanze unbegrenzt zu replizieren, ohne jedes Mal neue Samen keimen zu müssen.
// WARUM KLONEN?
Der größte Vorteil von Stecklingen ist die genetische Konsistenz. Wer eine Pflanze mit besonderem Aroma, hohem Ertrag oder idealen Wachstumseigenschaften gefunden hat, kann diese Genetik dauerhaft erhalten. Bei Samen hingegen entsteht jedes Mal ein neues Individuum mit eigener phänotypischer Variation, auch bei gleicher Sorte. Darüber hinaus sparen Stecklinge Zeit: Ein bewurzelter Klon kann direkt in die Vegetationsphase starten, ohne die Keimungsphase zu durchlaufen.
Wichtig nach CanG: Das Nehmen von Stecklingen von eigenen Pflanzen ist legal. Die Weitergabe von Stecklingen an andere Personen ist nach aktuellem Recht nicht erlaubt. Mehr dazu im Artikel zu Vermehrungsmaterial.
// STECKLING NEHMEN: SCHRITT FÜR SCHRITT
- Zeitpunkt: Stecklinge in der Vegetationsphase nehmen, nicht in der Blüte. Die Mutterpflanze sollte gesund, kräftig und frei von Schädlingen oder Krankheiten sein.
- Werkzeug: Scharfes, steriles Skalpell oder Schere. Mit Isopropylalkohol desinfizieren.
- Schnitt: Einen Trieb von 8–15 cm Länge mit mindestens 2–3 Nodien wählen. Direkt unterhalb eines Nodiums schneiden, schräg (45°) für mehr Aufnahmefläche.
- Untertriebe entfernen: Alle Blätter und Triebe im unteren Drittel des Stecklings entfernen. Nur die oberen Blätter lassen.
- Bewurzelungshormon: Die Schnittfläche in Bewurzelungspulver oder Gel tauchen (z.B. auf Auxin-Basis). Fördert die Wurzelbildung deutlich.
- Medium: Steckling in angefeuchtete Steinwollwürfel, Jiffy-Pellets oder Kokos-Erde stecken.
- Klima: Hohe Luftfeuchtigkeit (80–90% RH) in den ersten 7–14 Tagen. Eine Propagationshaube oder ein selbst gebauter Feuchtigkeitsdom hält die Feuchte hoch. Temperatur: 22–26°C.
// BEWURZELUNG: WAS PASSIERT IM INNEREN
Der abgeschnittene Trieb hat zunächst keine Wurzeln und kann noch kein Wasser aus dem Boden aufnehmen. Er nimmt Feuchtigkeit ausschließlich über die Blätter auf. Deshalb ist hohe Luftfeuchtigkeit in dieser Phase überlebenswichtig. An der Schnittfläche bilden sich zunächst Kalluszellen, aus denen dann die ersten Wurzeln austreiben. Dieser Prozess dauert je nach Sorte, Substrat und Bedingungen 7–21 Tage.
// WORAN ERKENNT MAN EINE ERFOLGREICHE BEWURZELUNG?
- Neue Blätter oder Triebspitzen beginnen zu wachsen (die Pflanze investiert wieder in Wachstum)
- Weiße Wurzeln sind am Boden des Mediums sichtbar
- Der Steckling wirkt turgid (straff) statt hängend
- Bei Steinwollwürfeln: Wurzeln treten unten heraus
// HÄUFIGE FEHLER
- Zu wenig Feuchtigkeit: Der Steckling welkt und stirbt, bevor Wurzeln gebildet werden
- Zu viel Dünger: Stecklinge brauchen in der Bewurzelungsphase kaum Nährstoffe. Zu hoher EC-Wert hemmt die Wurzelbildung.
- Zu starkes Licht: Stecklinge brauchen schwaches bis mittleres Licht. Direktes, starkes LED-Licht stresst sie in der Anfangsphase.
- Falscher Schnitt: Abgerissene oder gequetschte Schnittstellen bilden schlechter Wurzeln als saubere Schnitte.
// STECKLINGE VS. SAMEN: EIN VERGLEICH
- Stecklinge: Genetisch identisch, schnellerer Start, kein Keimungsrisiko, aber Mutterpflanze nötig
- Samen: Neue Genetik, robustere Hauptwurzel (Pfahlwurzel), keine Mutterpflanze nötig, aber phänotypische Variation
Erfahrene Grower nutzen oft beide Methoden: Samen für die Suche nach dem perfekten Phänotyp, Stecklinge für die Erhaltung dieser Genetik über viele Grows hinweg.