Umtopfen bezeichnet das Versetzen einer Cannabispflanze aus einem kleineren in einen größeren Topf. Es ist ein regelmäßiger Bestandteil vieler Grows, weil das Wurzelsystem mit der Pflanze wächst und irgendwann den verfügbaren Raum vollständig ausfüllt. Eine wurzelgebundene Pflanze (Rootbound) kann nicht mehr optimal Wasser und Nährstoffe aufnehmen und zeigt deshalb Stresssymptome.
// WARUM UMTOPFEN?
Pflanzen wachsen im Verhältnis zu ihrem verfügbaren Wurzelraum. Ein kleiner Topf bedeutet weniger Wurzelmasse, was direkt die oberirdische Pflanzengröße und den Ertrag begrenzt. Gleichzeitig kann in einem zu kleinen Topf die pH-Stabilität schlechter aufrechterhalten werden, weil die Nährstoffkonzentration durch wiederholtes Gießen schneller verändert wird. Umtopfen zum richtigen Zeitpunkt ist ein einfaches Mittel, um das Wachstum zu beschleunigen und Stagnation zu verhindern.
Wann ist die Pflanze wurzelgebunden? Wenn Wurzeln unten aus den Drainagelöchern herauswachsen. Wenn die Pflanze trotz regelmäßigem Gießen schnell wieder trocken ist. Wenn das Wachstum trotz guter Versorgung stagniert.
// DER RICHTIGE ZEITPUNKT
Es gibt zwei Philosophien beim Umtopfen:
- Schrittweises Umtopfen: Von kleinen Keimtöpfen (0,5–1 Liter) über Mitteltöpfe (3–5 Liter) zum Endtopf. Jede Topfgröße wird genutzt, bis die Pflanze die Grenzen des Topfes spürt. Das fördert eine dichtere Wurzelstruktur und effizientere Nährstoffnutzung, erfordert aber mehrere Umpflanzungen und damit potenziell mehrfachen Stress.
- Direktes Einpflanzen in den Endtopf: Spart Zeit und vermeidet Umtopfstress, birgt aber das Risiko von Überwässerung in frühen Phasen, wenn die kleine Pflanze zu viel Substratvolumen hat.
// TOPFGRÖSSENEMPFEHLUNGEN
- Sämling/Steckling: 0,5–1 Liter (Keimtopf oder Joghurtbecher)
- Frühe Vegetationsphase: 3–5 Liter
- Späte Vegetationsphase / Blütebeginn: 8–15 Liter
- Endtopf für große Pflanzen: 15–25 Liter
- Kleine Pflanzen / begrenzte Ernte gewünscht: 7–11 Liter als Endtopf (reduziert den Ertrag, hält ihn aber unter der 50-Gramm-Grenze)
// UMTOPFEN SCHRITT FÜR SCHRITT
- Den neuen Topf mit frischem Substrat vorbereiten. Eine Mulde in der Mitte lassen, die ungefähr der Größe des alten Topfes entspricht.
- Den alten Topf auf den Kopf stellen und die Pflanze sanft herausgleiten lassen. Dabei den Stängel zwischen den Fingern halten. Nicht ziehen, sondern schieben.
- Die Wurzelballen sollte kompakt und intakt sein. Wenn sie auseinanderfällt, war das Substrat zu trocken oder zu nass.
- Wurzelballen in die vorbereitete Mulde setzen und mit Substrat auffüllen. Leicht andrücken, aber nicht zu fest.
- Direkt nach dem Umtopfen gießen, bis Wasser aus dem Drainageloch läuft.
- Pflanze 1–3 Tage beobachten. Leichte Welke nach dem Umtopfen ist normal und kein Grund zur Panik.
// UMTOPFSTRESS MINIMIEREN
- Immer in der Vegetationsphase umtopfen, nie in der Blüte
- Substrate vorbefeuchten, damit der Wurzelballen zusammenhält
- In den ersten Tagen nach dem Umtopfen auf zusätzlichen Stress verzichten (kein aggressives Düngen, keine HST-Maßnahmen)
- Bei heißem Wetter am Abend umtopfen, wenn Temperaturen kühler sind
// UMTOPFEN IN DER BLÜTE?
In der Regel kein Umtopfen in der Blüte. Die Pflanze ist in einem empfindlichen Energiezustand und Stress kann die Blütenentwicklung verlangsamen oder Hermaphroditismus auslösen. Wenn eine Pflanze in der frühen Blüte (Woche 1–2) deutlich wurzelgebunden ist, kann ein vorsichtiges Umtopfen noch vertretbar sein. Ab Woche 3 der Blüte besser nicht mehr.