VPD steht für Vapor Pressure Deficit, auf Deutsch: Sättigungsdefizit. Es beschreibt den Unterschied zwischen dem aktuellen Wasserdampfgehalt der Luft und dem maximal möglichen bei der gegebenen Temperatur. Der VPD ist der präziseste Weg, das Zusammenspiel aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit für den Cannabisanbau zu bewerten. Die Einheit ist kPa (Kilopascal).
// WARUM VPD UND NICHT NUR LUFTFEUCHTIGKEIT?
Eine relative Luftfeuchtigkeit von 60% bei 20°C ist für die Pflanze etwas völlig anderes als 60% bei 28°C. Denn warme Luft kann viel mehr Wasserdampf aufnehmen. Der VPD berücksichtigt beide Faktoren und gibt ein realistisches Bild davon, wie stark die Pflanze transpiriert und Nährstoffe aufnimmt.
Bei zu niedrigem VPD transpiriert die Pflanze kaum, der Nährstofffluß stockt und es entsteht ein ideales Klima für Schimmel und Mehltau. Bei zu hohem VPD transpiriert die Pflanze so stark, dass sie austrocknet und die Stomata schließt, was Photosynthese und Wachstum bremst.
VPD-Zielwerte für Cannabis:
Keimlinge / Stecklinge: 0,4–0,8 kPa
Vegetationsphase: 0,8–1,2 kPa
Frühe Blüte: 1,0–1,5 kPa
Spätblüte: 1,2–1,6 kPa
// VPD BERECHNEN
Die genaue Berechnung erfordert etwas Mathematik. In der Praxis nutzen Grower VPD-Tabellen oder Apps, in die man Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit eingibt und den VPD-Wert abliest. Wichtig: Für präzise Ergebnisse sollte die Blatttemperatur gemessen werden, nicht nur die Lufttemperatur. Die Blatttemperatur liegt meist 1–2°C unter der Umgebungstemperatur.
// VPD IM GROWRAUM EINSTELLEN
Die zwei Stellschrauben für den VPD sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit:
- VPD zu niedrig (zu feucht): Temperatur erhöhen oder Luftfeuchtigkeit senken (Entfeuchter, mehr Lüftung)
- VPD zu hoch (zu trocken): Temperatur senken oder Luftfeuchtigkeit erhöhen (Befeuchter, weniger Lüftung)
In der Praxis ist das Senken der Luftfeuchtigkeit einfacher als das präzise Steuern der Temperatur. Ein guter Ablufttimer und ein Entfeuchter sind die wichtigsten Werkzeuge.
// VPD IN DER SPÄTBLÜTE
In den letzten 2–3 Wochen vor der Ernte sollte die Luftfeuchtigkeit auf 40–45% gesenkt werden (VPD steigt auf 1,5–1,6 kPa). Das schützt dichte Buds vor Botrytis (Grauschimmel) und fördert die Harzproduktion. Viele Grower steigern dabei auch den Tag-Nacht-Temperaturunterschied, was Farben und Terpenentwicklung fördern kann.
// VPD UND EC-WERT
Ein hoher VPD erhöht die Transpirationsrate. Das bedeutet, die Pflanze nimmt mehr Wasser auf und die Nährstoffkonzentration im Substrat steigt. Bei hohem VPD sollte der EC-Wert der Nährlösung etwas niedriger gewählt werden, um Nährstoffbrand zu vermeiden.