Das Konsumcannabisgesetz (CanG) verpflichtet Homegrower nicht nur zur Sicherung vor unbefugtem Zugriff, sondern auch dazu, die Nachbarschaft nicht durch Geruch oder Sicht zu belästigen. Diese Regelung schützt das allgemeine Wohnumfeld und ist eine der praktisch bedeutsamsten Pflichten für Indoor- wie Outdoor-Grower.
// GERUCHSBELÄSTIGUNG: DIE REGELUNG
Cannabisblüten riechen intensiv, vor allem in der Blütephase. Das Gesetz untersagt, dass dieser Geruch für die Nachbarschaft in unzumutbarer Weise wahrnehmbar ist. Was als "unzumutbar" gilt, ist nicht exakt definiert und kann im Einzelfall strittig sein. Als Faustregel gilt: Wenn Nachbarn den Geruch in ihren eigenen Wohnräumen oder auf dem Grundstück deutlich wahrnehmen können, ist das ein Problem.
Aktivkohlefilter (AKF) als Lösung: Ein korrekt dimensionierter und gewarteter Aktivkohlefilter in Kombination mit einem geschlossenen Abluftkreislauf eliminiert den Cannabisgeruch praktisch vollständig. Für Indoor-Grows mit mehr als einer Pflanze ist ein AKF de facto unverzichtbar.
// WARUM DER AKF RECHTLICH NOTWENDIG IST
Wer ohne Aktivkohlefilter Indoor-Cannabis anbaut und der Geruch dringt nach außen, riskiert:
- Beschwerden durch Nachbarn bei der Polizei oder Behörden
- Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verletzung der Sorgfaltspflichten nach CanG
- Hausdurchsuchung auf Basis des Geruchs als Anfangsverdacht
- Nachbarrechtliche Ansprüche auf Unterlassung nach BGB
// SICHTSCHUTZ
Neben dem Geruch schreibt das Gesetz auch vor, dass Cannabispflanzen nicht offen einsehbar sein dürfen. Das bedeutet: Pflanzen auf dem Balkon müssen so aufgestellt sein, dass Nachbarn, Passanten oder Kinder sie nicht von außen sehen können. Ein Sichtschutz am Balkongeländer oder ein abgeschirmter Anbaubereich ist notwendig.
// PRAKTISCHE UMSETZUNG INDOORS
- Geschlossenes Growzelt oder Growbox verwenden
- Abluft über Aktivkohlefilter nach außen leiten
- Zuluft ebenfalls filtern oder zumindest indirekt einleiten
- Keine offenen Fenster während der Blütephase
- Filter regelmäßig warten und Kohle rechtzeitig austauschen
// OUTDOOR-ANBAU
Im Garten oder auf dem Balkon ist die Situation komplexer. Sichtschutz ist hier zwingend. Geruchsschutz ist bei Outdoor-Grows technisch kaum vollständig umsetzbar. Das Risiko von Nachbarschaftsbeschwerden ist beim Outdoor-Grow daher höher. Wer Outdoor anbaut, sollte den Standort gut wählen und insbesondere in der Blütephase auf intensive Geruchsentwicklung vorbereitet sein.
Hinweis: Nachbarschaftsbeschwerden waren in der Praxis bereits vor der Legalisierung ein häufiger Auslöser für Ermittlungen. Das hat sich durch das CanG nicht geändert. Ein AKF ist keine Option, sondern eine rechtliche und praktische Notwendigkeit.