Die Wasserqualität ist die unsichtbare Grundlage jeder Düngung. Jedes Wasser bringt bereits gelöste Mineralien mit, bevor überhaupt ein Tropfen Dünger dazukommt. Wer diesen Ausgangswert nicht kennt, düngt im Blindflug, denn die Dosierangaben auf Düngerflaschen gehen stillschweigend von weichem Wasser aus.
// WASSERHÄRTE: WAS STECKT DRIN?
Die Wasserhärte beschreibt, wie viel Calcium und Magnesium im Wasser gelöst sind. In Deutschland wird sie in Grad deutscher Härte angegeben, abgekürzt °dH. Die Einteilung ist gesetzlich festgelegt:
| Bereich | Härte | Bedeutung für den Grow |
|---|---|---|
| Weich | unter 8,4 °dH | Ideal. Volle Kontrolle über die Düngung, oft CalMag-Zugabe nötig |
| Mittel | 8,4 bis 14 °dH | Gut nutzbar, Calcium und Magnesium meist schon ausreichend enthalten |
| Hart | über 14 °dH | Grund-EC beachten, pH steigt im Substrat, Osmose kann sinnvoll sein |
Den Wert deines Leitungswassers findest du kostenlos in der Trinkwasseranalyse deines Wasserversorgers. Die ist in Deutschland öffentlich einsehbar und steht meist als PDF auf der Website des örtlichen Stadtwerks. Dort stehen neben der Härte auch Calcium, Magnesium, Nitrat und der pH-Wert.
Ein °dH entspricht grob 0,03 bis 0,04 mS/cm EC. Wasser mit 18 °dH startet also schon bei etwa 0,6 mS/cm, bevor du düngst. Wer dann auf einen Ziel-EC von 1,6 düngt, gibt effektiv nur 1,0 an tatsächlichem Dünger dazu. Wer das nicht mitrechnet, unterdüngt dauerhaft.
// DER GRUND-EC UND WARUM ER ZÄHLT
Der EC-Wert misst die elektrische Leitfähigkeit und damit indirekt die Gesamtmenge gelöster Salze. Ein EC-Messgerät kostet wenig und ist die einzige Möglichkeit, den Startwert deines Wassers wirklich zu kennen.
Die Rechnung ist simpel: Ziel-EC minus Grund-EC ergibt, wie viel Dünger tatsächlich in die Lösung darf. Bei hartem Wasser bleibt davon deutlich weniger übrig, als die Flaschenetiketten vermuten lassen.
Das Problem an hartem Wasser ist aber nicht nur die Rechnung. Das enthaltene Calcium und Magnesium liegt in Form von Carbonaten vor, die als Puffer wirken und den pH-Wert nach oben ziehen. Über mehrere Wochen steigt der pH im Substrat dadurch schleichend an, bis einzelne Nährstoffe nicht mehr aufgenommen werden können. Das Ergebnis ist ein Lockout, der wie ein Mangel aussieht, aber keiner ist.
// OSMOSEWASSER
Eine Umkehrosmoseanlage presst Wasser durch eine feine Membran und entfernt dabei den größten Teil der gelösten Mineralien. Das Ergebnis ist Wasser mit einem EC nahe null, eine Art leeres Blatt.
- Vorteil: Volle Kontrolle. Du bestimmst jeden einzelnen Nährstoff selbst, unabhängig davon, was aus der Leitung kommt.
- Vorteil: Der pH-Wert lässt sich leicht und stabil einstellen, weil die Pufferwirkung der Carbonate fehlt.
- Nachteil: Calcium und Magnesium fehlen komplett. Ein CalMag-Zusatz ist bei Osmosewasser keine Option, sondern Pflicht.
- Nachteil: Anschaffungskosten und Abwasser. Je nach Anlage fallen mehrere Liter Abwasser pro Liter Reinwasser an.
Für drei Pflanzen im Homegrow ist eine Osmoseanlage in den meisten Fällen Luxus. Sinnvoll wird sie bei sehr hartem Wasser über etwa 20 °dH, bei hydroponischen Systemen, in denen jeder Wert exakt stimmen muss, und wenn trotz sauberer Düngung wiederkehrende pH-Probleme auftreten.
// REGENWASSER
Regenwasser ist von Natur aus sehr weich und kostenlos, hat aber zwei Haken. Es ist nicht steril, in einer offenen Tonne sammeln sich Algen, Keime und organisches Material, was in einem geschlossenen Hydrosystem schnell zum Problem wird. Und die Zusammensetzung schwankt je nach Dach, Standort und Jahreszeit.
Für Erde im Outdoor-Anbau ist Regenwasser gut geeignet. Für Indoor-Systeme mit umlaufender Nährlösung ist es ohne Aufbereitung riskant.
// ABSTEHEN LASSEN: MYTHOS UND WAHRHEIT
Der Rat, Leitungswasser über Nacht abstehen zu lassen, hält sich hartnäckig. Er stammt aus der Aquaristik und zielt auf Chlor ab, das tatsächlich teilweise ausgast. Was dabei aber nicht verschwindet, sind Härtebildner, Chloramin und der Grund-EC. Abstehen lassen ersetzt also keine Wasseranalyse und löst kein einziges Härteproblem.
Was das Abstehen wirklich bringt: Das Wasser nimmt Raumtemperatur an. Und das ist beim Gießen tatsächlich ein Vorteil.
Enthärtungsanlagen sind ungeeignet. Klassische Ionenaustauscher im Haushalt tauschen Calcium und Magnesium gegen Natrium aus. Das Wasser wird weicher, enthält dafür aber Natrium, das Pflanzen nicht brauchen und das sich im Substrat anreichert. Wenn im Haus eine Enthärtungsanlage läuft, nimm Wasser von einem Hahn vor der Anlage, meist der Außenhahn oder der Hahn in der Waschküche.
// HÄUFIGE FRAGEN
Wie finde ich die Härte meines Leitungswassers heraus?
Über die Trinkwasseranalyse deines örtlichen Wasserversorgers. Die ist in Deutschland öffentlich und steht meist als PDF auf der Website des Stadtwerks. Dort findest du die Härte in °dH sowie Calcium, Magnesium und Nitrat. Genauer ist ein eigenes EC-Messgerät, das den tatsächlichen Startwert anzeigt.
Brauche ich eine Osmoseanlage für den Homegrow?
In den meisten Fällen nicht. Bei weichem und mittelhartem Wasser reicht Leitungswasser völlig aus. Sinnvoll wird Osmose bei sehr hartem Wasser über etwa 20 °dH, bei hydroponischen Systemen und wenn trotz sauberer Düngung immer wieder pH-Probleme auftreten.
Muss ich Leitungswasser über Nacht abstehen lassen?
Es schadet nicht, bringt aber weniger als gedacht. Chlor gast teilweise aus, Wasserhärte, Chloramin und der Grund-EC bleiben unverändert. Der eigentliche Nutzen ist, dass das Wasser Raumtemperatur annimmt.
Warum brauche ich bei Osmosewasser CalMag?
Weil die Osmose auch Calcium und Magnesium entfernt. Beides sind Nährstoffe, die Cannabis in größeren Mengen braucht. Ohne Zusatz entsteht innerhalb weniger Wochen ein Mangel, der sich als braune Flecken und Interveinalchlorose zeigt.
Kann ich Wasser aus einer Enthärtungsanlage verwenden?
Besser nicht. Haushaltsübliche Ionenaustauscher ersetzen Calcium und Magnesium durch Natrium. Das Wasser ist dann zwar weich, bringt aber Natrium mit, das sich im Substrat anreichert und den Pflanzen nichts nützt. Nimm lieber Wasser von einem Hahn vor der Anlage.