Blattläuse sind kleine, weiche Insekten von etwa ein bis drei Millimetern Länge, die in Kolonien an Triebspitzen und auf Blattunterseiten sitzen. Sie stechen die Leitbahnen der Pflanze an und saugen Pflanzensaft. An Cannabis treten vor allem grüne und schwarze Arten auf, häufig die Grüne Pfirsichblattlaus.
// WORAN DU BLATTLÄUSE ERKENNST
- Sichtbare Kolonien. Anders als Spinnmilben sind Blattläuse mit bloßem Auge gut zu sehen, meist dicht gedrängt an jungen Trieben.
- Klebrige Blätter. Der ausgeschiedene Honigtau glänzt und klebt, oft auch auf Blättern unterhalb der Kolonie.
- Verkrüppelte Triebspitzen. Junge Blätter rollen sich ein oder wachsen verformt.
- Weiße Häutungsreste. Leere Hüllen, die wie kleine weiße Schuppen aussehen.
- Ameisen an der Pflanze. Ameisen melken Blattläuse und verteidigen sie sogar. Ameisenstraßen an einem Stängel sind ein deutliches Warnsignal.
Blattläuse vermehren sich ohne Paarung. Im Sommer bringen die Weibchen lebende, bereits trächtige Jungtiere zur Welt. Aus wenigen Tieren wird deshalb in ein bis zwei Wochen eine große Kolonie. Früh eingreifen ist bei Blattläusen wichtiger als perfekt eingreifen.
// WARUM HONIGTAU DAS EIGENTLICHE PROBLEM IST
Der Saugschaden selbst ist bei geringem Befall verkraftbar. Gefährlicher ist der zuckerhaltige Honigtau, den die Läuse ausscheiden. Er legt sich als klebriger Film auf die Blätter und bildet den Nährboden für Rußtaupilze, einen schwarzen Belag, der die Blattoberfläche abdunkelt und die Photosynthese blockiert.
Kommt der Honigtau auf die Blüten, wird es endgültig kritisch. Er lässt sich nicht mehr abwaschen, bindet Staub und begünstigt Schimmel im dichten Bud. Blüten, die stark verklebt sind, lassen sich meist nicht mehr retten.
Blattläuse können außerdem Pflanzenviren übertragen, weil sie beim Saugen zwischen Pflanzen wechseln.
// WOHER SIE KOMMEN
Blattläuse sind flugfähig und gelangen im Sommer über geöffnete Fenster oder die Zuluft ins Zelt. Weitere typische Wege sind mitgebrachte Zimmerpflanzen, Stecklinge aus fremden Beständen, Kleidung nach der Gartenarbeit und Blumensträuße.
Im Outdoor-Anbau sind sie schlicht Teil der Umgebung. Dort geht es nicht um Ausrottung, sondern darum, die Population unter der Schadschwelle zu halten.
// SOFORTMASSNAHMEN
- Befallene Pflanze isolieren, soweit möglich.
- Kolonien abduschen. Ein kräftiger Wasserstrahl auf Blattunterseiten entfernt einen Großteil mechanisch. Blattläuse finden den Weg zurück schlecht.
- Stark befallene Triebspitzen abschneiden und sofort entsorgen, nicht im Growraum liegen lassen.
- Gelbtafeln aufhängen. Fängt die geflügelten Tiere ab und zeigt, ob der Befall zurückgeht.
- Ameisen stoppen. Solange Ameisen die Kolonie bewachen, kommen Nützlinge kaum an sie heran.
// BIOLOGISCHE BEKÄMPFUNG
Blattläuse haben viele natürliche Gegenspieler, was sie zu einem der dankbarsten Fälle für Nützlinge macht:
| Nützling | Wirkung |
|---|---|
| Florfliegenlarven | Sehr gefräßig, wirken schnell, auch bei größeren Kolonien |
| Marienkäferlarven | Klassiker, besonders im Outdoor-Anbau wirksam |
| Schlupfwespen | Legen ihre Eier in die Laus, befallene Tiere werden zu braunen Mumien |
| Gallmücken | Larven fressen Blattläuse, gut für dauerhafte Kontrolle im Zelt |
// WAS IN DER BLÜTE NOCH GEHT
In der Blütephase verbietet sich jede Spritzung auf die Blüten. Rückstände bleiben im Erntegut, und Feuchtigkeit im Bud löst Schimmel aus. Was bleibt:
- Mechanisches Entfernen einzelner Kolonien mit einem feuchten Wattestäbchen
- Gezieltes Abschneiden stark befallener Blätter außerhalb der Blüten
- Nützlinge, die auch in der Blüte unbedenklich sind
- Gelbtafeln gegen die fliegenden Tiere
Keine Seifenlösungen und keine Ölpräparate auf Blüten. Schmierseife, Rapsöl und Neemöl wirken gegen Blattläuse gut, gehören aber ausschließlich in die Vegetationsphase. Auf Blüten hinterlassen sie Rückstände und Feuchtigkeit im dichten Gewebe, was direkt zu Botrytis führen kann.
// VORBEUGEN
Feinmaschige Filtermatten vor der Zuluft halten fliegende Läuse zuverlässig ab. Neue Pflanzen und Stecklinge gehören für ein bis zwei Wochen in Quarantäne, bevor sie ins Zelt dürfen. Wer im Garten war, wechselt vor dem Zelt die Kleidung.
Überdüngung mit Stickstoff macht Pflanzen weicher und für Saugschädlinge attraktiver. Eine ausgewogene Düngung ist damit auch Schädlingsvorsorge.
// HÄUFIGE FRAGEN
Wie erkenne ich Blattläuse an meiner Pflanze?
An sichtbaren Kolonien kleiner grüner oder schwarzer Insekten an Triebspitzen und Blattunterseiten, an klebrigem Honigtau auf den Blättern, an verkrüppelten jungen Trieben und an weißen Häutungsresten. Ameisenstraßen am Stängel sind ein weiteres deutliches Zeichen.
Sind Blattläuse gefährlich für die Ernte?
Der Saugschaden allein ist bei geringem Befall verkraftbar. Gefährlich ist der klebrige Honigtau, auf dem sich Rußtaupilze ansiedeln. Gelangt er in die Blüten, begünstigt er Schimmel und lässt sich nicht mehr entfernen. Blattläuse können außerdem Pflanzenviren übertragen.
Was hilft gegen Blattläuse in der Blüte?
Nur schonende Methoden: einzelne Kolonien mechanisch mit einem feuchten Wattestäbchen entfernen, stark befallene Blätter abschneiden, Nützlinge einsetzen und Gelbtafeln aufhängen. Spritzungen mit Seife oder Öl sind in der Blüte tabu, weil sie Rückstände hinterlassen und Schimmel begünstigen.
Warum laufen Ameisen an meiner Pflanze hoch?
Ameisen ernähren sich vom Honigtau der Blattläuse und beschützen die Kolonien dafür aktiv vor Nützlingen. Ameisenstraßen an einem Stängel sind fast immer ein Hinweis auf einen Blattlausbefall weiter oben. Solange die Ameisen da sind, wirken Nützlinge schlechter.
Welche Nützlinge helfen gegen Blattläuse?
Florfliegenlarven und Marienkäferlarven fressen große Mengen und wirken schnell. Schlupfwespen legen ihre Eier in die Läuse, die dann zu braunen Mumien werden. Gallmückenlarven eignen sich gut für die dauerhafte Kontrolle im Zelt.