Der Schutzzweck eines Gesetzes beschreibt die Ziele und Absichten, die der Gesetzgeber mit der Regelung verfolgt. Das Konsumcannabisgesetz (CanG) benennt in seiner Begründung mehrere zentrale Schutzzwecke, die erklären, warum bestimmte Regelungen so streng sind wie sie sind, und warum der Eigenanbau trotz Legalisierung an zahlreiche Bedingungen geknüpft ist.
// JUGENDSCHUTZ ALS VORRANGIGES ZIEL
Der wichtigste Schutzzweck des CanG ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Cannabis. Der Gesetzgeber hat erkannt, dass ein unkontrollierter Schwarzmarkt keinen verlässlichen Jugendschutz bietet. Durch die Regulierung soll Cannabis aus dem Schwarzmarkt herausgenommen werden, wo keine Alterskontrolle stattfindet. Gleichzeitig werden strenge Regeln aufgestellt: kein Konsum in der Nähe von Bildungseinrichtungen, Sicherungspflichten beim Anbau, Weitergabeverbot an Minderjährige.
Warum das für den Homegrow wichtig ist: Fast alle Sicherheitspflichten des CanG (Schutz vor Zugriff, Sichtschutz, Geruchsschutz) leiten sich direkt aus dem Jugendschutzgedanken ab. Wer versteht, warum diese Regeln existieren, versteht auch, warum ihre Einhaltung so ernst genommen wird.
// BEKÄMPFUNG DES SCHWARZMARKTS
Ein weiteres zentrales Ziel des CanG ist die Schwächung des illegalen Cannabismarkts. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass ein funktionierender legaler Zugang (durch Eigenanbau und Anbauvereinigungen) den Anreiz reduziert, Cannabis über illegale Wege zu beschaffen. Das kommt auch der Qualitätssicherung zugute, da Schwarzmarkt-Cannabis häufig mit Streckmitteln verunreinigt ist.
// GESUNDHEITSSCHUTZ
Das CanG verfolgt auch einen Gesundheitsschutzansatz. Wer Cannabis legal und kontrolliert anbauen kann, ist nicht auf unbekannte Quellen angewiesen. Anbauvereinigungen müssen Informationen über Wirkstoffgehalte bereitstellen. Präventionsbeauftragte sollen Risiken kommunizieren. Der Gesetzgeber setzt auf Aufklärung statt auf Verbote, die in der Vergangenheit keinen nachweisbaren Rückgang des Konsums bewirkt haben.
// WARUM DER SCHUTZZWECK DIE REGELUNGEN ERKLÄRT
Viele der strengen Regeln im CanG erscheinen auf den ersten Blick übertrieben. Im Licht des Schutzzwecks ergeben sie aber Sinn:
- Sicherungspflicht beim Anbau: Jugendschutz
- Geruchs- und Sichtschutz: Schutz des gesellschaftlichen Friedens und Normalisierung
- Weitergabeverbot: Schwarzmarktbekämpfung und Jugendschutz
- Präventionspflichten in Anbauvereinigungen: Gesundheitsschutz
- Abstandsregeln beim Konsum: Jugendschutz im öffentlichen Raum
// KRITIK AM GESETZ
Nicht alle Schutzzwecke werden als vollständig verwirklicht angesehen. Kritiker weisen darauf hin, dass der Schwarzmarkt durch das CanG allein nicht nachhaltig geschwächt wird, solange kein kommerzieller Einzelhandel existiert. Befürworter sehen das CanG als wichtigen ersten Schritt in die richtige Richtung. Die gesellschaftliche Debatte dauert an.