Die Temperatur steuert nahezu jeden Stoffwechselvorgang in der Pflanze. Sie bestimmt, wie schnell Photosynthese abläuft, wie viel Wasser verdunstet wird und wie viele Nährstoffe überhaupt im Blatt ankommen. Zusammen mit der Luftfeuchtigkeit ergibt sie den VPD, den eigentlich entscheidenden Klimawert.
// ZIELWERTE NACH PHASE
| Phase | Licht an | Licht aus |
|---|---|---|
| Keimung | 22 bis 26 °C | Nicht unter 20 °C |
| Sämling | 20 bis 25 °C | 18 bis 22 °C |
| Vegetation | 22 bis 28 °C | 18 bis 22 °C |
| Frühe Blüte | 22 bis 26 °C | 18 bis 22 °C |
| Spätblüte | 20 bis 24 °C | 16 bis 20 °C |
| Trocknung | 18 bis 20 °C bei 55 bis 60 Prozent Luftfeuchtigkeit | |
Diese Werte gelten für den Anbau unter LED. Unter älteren Natriumdampflampen wird oft etwas kühler gefahren, weil die Leuchten selbst erhebliche Strahlungswärme direkt auf das Blatt abgeben.
Miss dort, wo die Pflanze steht. Ein Thermometer, das oben im Zelt hängt oder neben der Lampe klebt, zeigt etwas anderes an als das, was die Blattoberfläche erlebt. Der Sensor gehört auf Höhe der obersten Blätter, im Schatten, nicht direkt unter der Lampe.
// WARUM DIE BLATTTEMPERATUR ABWEICHT
Die Lufttemperatur ist nicht die Blatttemperatur. Ein Blatt kühlt sich durch Transpiration selbst und liegt deshalb meist ein bis zwei Grad unter der Umgebungsluft. Unter starker LED-Beleuchtung und bei niedriger Luftfeuchtigkeit kann es aber auch darüber liegen.
Wer es genau wissen will, misst mit einem Infrarotthermometer direkt auf das Blatt. Für die VPD-Berechnung ist dieser Wert deutlich aussagekräftiger als die Lufttemperatur.
// DIE TAG-NACHT-DIFFERENZ
Der Unterschied zwischen der Temperatur bei Licht und bei Dunkelheit wird im Englischen als DIF bezeichnet. Eine moderate Absenkung um etwa 4 bis 6 Grad in der Dunkelphase ist der Normalfall und entspricht dem, was die Pflanze in der Natur erlebt.
- Zu geringe Differenz: Die Pflanze streckt sich stärker, die Abstände zwischen den Nodien werden größer.
- Moderate Differenz: Kompakter Wuchs, gute Entwicklung.
- Große Differenz in der Spätblüte: Kann bei entsprechender Genetik Farben hervorbringen und die Terpenbildung fördern. Zu große Sprünge über etwa 10 Grad erhöhen aber das Kondensationsrisiko und damit die Schimmelgefahr.
// WAS BEI HITZE PASSIERT
Oberhalb von etwa 28 bis 30 Grad beginnt die Pflanze gegenzusteuern. Sie schließt die Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen, und bremst damit zugleich die Photosynthese aus. Die Folge ist Stillstand trotz voller Beleuchtung.
Typische Zeichen von Hitzestress sind nach oben gebogene Blattränder, die wie ein Taco aussehen, sowie ein insgesamt eingerollter, wie schlaff wirkender Behang bei feuchtem Substrat. In der Blüte kommen weitere Probleme dazu: Die Buds bleiben locker, Terpene verflüchtigen sich, und bei anhaltender Hitze steigt das Risiko für nachwachsende Blütenblätter, das sogenannte Foxtailing.
Dauerhafte Hitze über 30 Grad in der Blüte kostet Ertrag und Qualität. Wenn die Temperatur nicht anders in den Griff zu bekommen ist, lohnt es sich, die Lichtphase in die Nachtstunden zu legen. Dann läuft die Beleuchtung, wenn es draußen am kühlsten ist.
// WAS BEI KÄLTE PASSIERT
Unter etwa 18 Grad verlangsamt sich das Wachstum spürbar, unter 15 Grad kommt es weitgehend zum Erliegen. Die Wurzeln nehmen Nährstoffe schlechter auf, insbesondere Phosphor, was sich als violette Verfärbung an Stängeln und Blattstielen zeigen kann.
Besonders kritisch ist kaltes Substrat. Ein Topf, der direkt auf einem kalten Kellerboden steht, kann deutlich kühler sein als die Raumluft. Eine Styroporplatte oder ein Brett unter dem Topf löst dieses Problem mit minimalem Aufwand.
// TEMPERATUR SENKEN UND ANHEBEN
Senken: Mehr Abluftleistung, größere Zuluftöffnung, Lichtphase in die Nacht verlegen, Abstand der Lampe vergrößern oder die Leistung dimmen. Ein zusätzlicher oszillierender Ventilator senkt nicht die Lufttemperatur, verbessert aber den Luftaustausch an der Blattoberfläche und damit die Kühlung durch Transpiration.
Anheben: Abluft drosseln, Zelt besser isolieren, Topf vom kalten Boden abheben. Eine Heizmatte unter dem Topf hilft gezielt bei kalten Wurzeln. Von offenen Heizstrahlern im Zelt ist wegen der Brandgefahr abzuraten.
// HÄUFIGE FRAGEN
Welche Temperatur ist optimal für Cannabis?
In der Vegetationsphase 22 bis 28 Grad bei Licht, in der Blüte etwas kühler mit 22 bis 26 Grad, in der Spätblüte 20 bis 24 Grad. In der Dunkelphase jeweils etwa 4 bis 6 Grad weniger. Diese Werte gelten für LED-Beleuchtung.
Ab wann wird es Cannabis zu warm?
Ab etwa 28 bis 30 Grad schließt die Pflanze die Spaltöffnungen und die Photosynthese bremst. Dauerhafte Hitze darüber kostet in der Blüte Ertrag und Terpene und kann Foxtailing auslösen. Typisches Zeichen sind nach oben gebogene Blattränder.
Wo genau messe ich die Temperatur?
Auf Höhe der obersten Blätter, im Schatten, nicht direkt unter der Lampe und nicht oben im Zelt. Noch aussagekräftiger ist die Blatttemperatur, gemessen mit einem Infrarotthermometer direkt auf die Blattoberfläche.
Wie groß sollte der Unterschied zwischen Tag und Nacht sein?
Etwa 4 bis 6 Grad sind der Normalfall und fördern kompakten Wuchs. Sehr kleine Unterschiede lassen die Pflanze strecken. Sprünge über etwa 10 Grad erhöhen die Kondensations- und damit die Schimmelgefahr.
Was tun, wenn es im Zelt dauerhaft zu heiß ist?
Abluftleistung erhöhen, Zuluft vergrößern, Lampenabstand vergrößern oder dimmen. Der wirksamste Eingriff ohne Zusatzkosten ist, die Lichtphase in die Nachtstunden zu legen, damit die Beleuchtung läuft, wenn es draußen am kühlsten ist.