Wer mit dem Cannabisanbau beginnt, steht vor einer der ersten grundlegenden Entscheidungen: feminisierte oder reguläre Samen? Diese Wahl beeinflusst nicht nur den Aufwand des Grows, sondern auch die Anzahl der nutzbaren Pflanzen, den Platzbedarf und ob man eigene Samen ziehen oder vegetativ vermehren möchte. Beide Samentypen haben ihre Berechtigung, aber für die meisten Einsteiger ist die Wahl eindeutig.
// WAS SIND FEMINISIERTE SAMEN?
Feminisierte Samen wurden so gezüchtet, dass sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (95–99,9%) weibliche Pflanzen hervorbringen. Nur weibliche Cannabispflanzen entwickeln die begehrten Blüten. Feminisierung wird durch verschiedene Methoden erreicht, am häufigsten durch Behandlung mit Kolloidal-Silber oder Rodelisierung, bei der eine weibliche Pflanze unter Stress dazu gebracht wird, männliche Blütenstrukturen zu bilden. Der dabei produzierte Pollen enthält ausschließlich weibliche Chromosomen, was zu feminisierten Samen führt.
// WAS SIND REGULÄRE SAMEN?
Reguläre Samen entstehen durch natürliche Kreuzung einer männlichen mit einer weiblichen Pflanze. Das Geschlechtsverhältnis liegt statistisch bei etwa 50:50, also die Hälfte männlich, die Hälfte weiblich. Das Geschlecht der Pflanze ist erst in der Vegetationsphase oder zu Beginn der Blüte erkennbar, wenn sogenannte Vorblüten erscheinen.
Für Einsteiger: Feminisierte Samen sind klar die bessere Wahl. Kein Risiko, Platz und Ressourcen für männliche Pflanzen zu verschwenden. Kein Stress mit dem Erkennen und Entfernen von Männchen. Volle Konzentration auf den Grow.
// MÄNNLICHE PFLANZEN: WARUM SIE EIN PROBLEM SIND
Männliche Pflanzen bilden Pollensäcke statt Blüten. Wenn ein Männchen im Growraum unentdeckt bleibt und seine Pollensäcke öffnet, befruchtet er die weiblichen Pflanzen. Befruchtete Blüten bilden Samen und investieren ihre Energie in die Samenproduktion statt in Harz und Cannabinoide. Das Ergebnis ist samenhaltiges Gras mit deutlich reduziertem Wirkstoffgehalt und Qualität. Bei regulären Samen muss man also alle Pflanzen eng beobachten und Männchen sofort bei den ersten Anzeichen entfernen.
// VORTEILE FEMINISIERTER SAMEN
- Planungssicherheit: Jede gekeimte Pflanze wird (fast sicher) weiblich. Die Drei-Pflanzen-Grenze lässt sich damit optimal nutzen.
- Kein Platzverschwendung: Kein Keimen extra Samen auf Vorrat, kein Aussortieren von Männchen
- Weniger Kontrolle nötig: Kein tägliches Überwachen auf erste Blütenvorzeichnen
- Ideal für begrenzte Anbaufläche: Besonders in kleinen Growzelten ist jede Pflanze wertvoll
// VORTEILE REGULÄRER SAMEN
- Eigene Kreuzungen: Wer eigene Sorten züchten will, braucht männliche Pflanzen. Mit regulären Samen ist das möglich.
- Genetische Vielfalt: Reguläre Samen zeigen eine breitere phänotypische Variation, was für Züchter und erfahrene Grower auf der Suche nach besonderen Phänotypen interessant ist.
- Langzeitstabilität: Reguläre Samen gelten bei manchen Züchtern als genetisch stabiler und langlebiger in der Lagerung.
- Preis: Reguläre Samen sind oft günstiger als feminisierte der gleichen Sorte.
// ERHÖHTES ZWITTER-RISIKO BEI FEMINISIERTEN SAMEN?
Es kursiert der Mythos, feminisierte Samen seien grundsätzlich anfälliger für Hermaphroditismus. Das stimmt nur, wenn billige Samen von unzuverlässigen Quellen verwendet werden. Hochwertige feminisierte Samen von seriösen Saatgutbanken haben ein sehr geringes Zwitter-Risiko. Das Risiko wird nicht durch die Feminisierung selbst verursacht, sondern durch instabile Genetiken oder schlechten Feminisierungsprozess.
// AUTOFLOWER SAMEN: EIN DRITTER TYP
Neben feminisierten und regulären gibt es noch Autoflower-Samen. Diese blühen automatisch nach einer bestimmten Zeit, unabhängig vom Lichtrhythmus. Autoflower-Samen sind fast immer feminisiert. Für Einsteiger mit wenig Zeit oder für schnelle erste Grows sind sie eine attraktive Option. Mehr dazu im Wiki-Artikel zu Autoflowering.
Rechtliches: In Deutschland ist der Erwerb von Cannabissamen aus EU-Ländern für den privaten Eigenanbau grundsätzlich erlaubt. Mehr dazu im Wiki-Artikel zu Vermehrungsmaterial und im Artikel zum Einfuhrverbot.