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Das Cannabis Grow‑Lexikon

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HST (High Stress Training)

TRAININGTECHNIKFORTGESCHRITTENERTRAG

HST steht für High Stress Training, auf Deutsch: stressreiches Training. Im Gegensatz zu LST (Low Stress Training) werden beim HST Pflanzenteile bewusst beschädigt oder entfernt: Triebe werden gekappt, Stängel absichtlich gequetscht oder Äste stark umgebrochen. Die Pflanze reagiert mit intensivem Reparaturwachstum und einem Ausbruch an neuen Seitentrieben. HST ist damit kein einzelner Handgriff, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Techniken, die alle nach demselben Grundprinzip arbeiten: kontrollierte Verletzung erzwingt eine Wachstumsreaktion, die sich gezielt für mehr und gleichmäßigere Kolas nutzen lässt.

// WELCHE TECHNIKEN ZÄHLEN ZU HST?

// WARUM STRESS ZU MEHR ERTRAG FÜHREN KANN: DAS MECHANISMUS-PRINZIP

HST nutzt die Überlebens- und Wundheilungsstrategie der Pflanze. Cannabis reagiert auf Gewebeschäden nicht mit Rückzug, sondern mit erhöhter Stoffwechselaktivität an und um die verletzte Stelle. Wird der Haupttrieb gekappt, fällt die zentrale Auxin-Quelle weg, die zuvor alle Seitentriebe in ihrem Wachstum gebremst hat. Innerhalb weniger Tage verschiebt sich das Hormonverhältnis zugunsten von Cytokininen, die Zellteilung und Seitenwachstum antreiben. Beim Supercropping ist der Effekt lokaler: Die gequetschte Stelle wird von der Pflanze mit zusätzlichem Fasergewebe verstärkt, was den Wasser- und Nährstofftransport durch genau diesen Ast langfristig verbessert.

In allen Fällen gilt: Der Ertragsgewinn kommt nicht daher, dass die Pflanze durch den Stress mehr Biomasse produziert, sondern daher, dass die vorhandene Energie gleichmäßiger auf mehrere Kolas statt auf eine einzelne dominante Blüte verteilt wird und mehr Blattfläche direkt unter der Lampe zu liegen kommt.

Wichtig: HST braucht Zeit zur Erholung. Nach jedem Eingriff vergehen 5–10 Tage, in denen die Pflanze kaum sichtbar wächst. Deshalb ist HST vor allem für photoperiodische Sorten mit ausreichend Vegetationszeit empfohlen. Bei Autoflower fast immer kontraproduktiv.

// SO GEHST DU VOR

// TIMING: WANN HST ANWENDEN?

// HST VS. LST: WANN WELCHE WÄHLEN?

LST verändert nur die Wuchsrichtung, ohne Gewebe zu verletzen, und eignet sich für jede Sorte einschließlich Autoflower. HST greift tiefer ein, braucht Erholungszeit, ist dafür aber bei photoperiodischen Sorten mit viel Vegetationszeit oft wirkungsvoller, weil die Hormonumstellung stärker ausfällt. Viele erfahrene Grower kombinieren beides: HST für die Grundstruktur, LST für die Feinjustierung der Höhe.

Ein praktischer Anhaltspunkt: Wer wenig Erfahrung hat oder mit Autoflower arbeitet, sollte zuerst ausschließlich LST üben, bevor er sich an HST-Techniken wagt. Wer bereits mehrere Grows mit LST hinter sich hat und mit photoperiodischen Sorten arbeitet, kann schrittweise Topping, später Supercropping und schließlich komplexere Strukturen wie Mainlining ausprobieren. Der Übergang muss nicht abrupt erfolgen, viele Grower kombinieren Techniken innerhalb derselben Pflanze je nach Ast und Wuchsverhalten.

// HÄUFIGE FEHLER

// HÄUFIGE FRAGEN

Ist HST für Einsteiger geeignet?

Bedingt. Topping ist die zugänglichste HST-Technik, weil das Ergebnis planbar ist. Mainlining und Supercropping erfordern mehr Erfahrung und Fingerspitzengefühl, da Fehler in der Frühphase die gesamte Pflanzenstruktur beeinflussen können.

Wie viel Ertrag bringt HST wirklich?

Das hängt stark von Sorte, Lichtsystem und Ausführung ab, weshalb sich keine pauschale Zahl nennen lässt. Der Effekt entsteht vor allem durch bessere Lichtverteilung auf mehr gleichwertige Kolas, nicht dadurch, dass die Pflanze insgesamt mehr Biomasse produziert.

Kann ich mehrere HST-Techniken gleichzeitig anwenden?

Ja, das ist sogar üblich. Topping gefolgt von Supercropping an den neuen Trieben oder eine komplette Mainlining-Struktur kombiniert mit LST sind gängige Kombinationen. Wichtig ist, der Pflanze zwischen den Eingriffen ausreichend Erholungszeit zu geben.

Ist HST bei Autoflower komplett tabu?

Nicht ganz, aber fast. Sehr sanftes, frühes Supercropping wird von manchen Growern bei robusten Autoflower-Sorten noch toleriert. Topping, FIMming und Mainlining sind wegen der langen Erholungszeit bei den meisten Autos jedoch kontraproduktiv.