Supercropping ist eine HST-Technik, bei der der Stängel oder Ast so gebogen wird, dass das innere Gewebe (Markgewebe) bricht, während die äußere Hülle (Epidermis) intakt bleibt. Die Pflanze reagiert auf diese kontrollierte Verletzung mit verstärktem Heilungswachstum: An der Knickstelle bildet sich eine verdickte Narbe (Knoten), die den Nährstoff- und Wassertransport in diesen Ast langfristig verbessert.
// WARUM SUPERCROPPING FUNKTIONIERT
Die verdickte Knickstelle ist kein Schwachpunkt, sondern ein Verstärker. Studien und Grower-Erfahrungen zeigen übereinstimmend, dass Äste nach dem Supercropping an der Knickstelle dicker werden als der ursprüngliche Stängel. Der verbesserte Nährstoff- und Wasserfluss kann zu größeren Buds am betroffenen Ast führen. Gleichzeitig wird der Ast durch das Abknicken auf eine niedrigere Position gebracht, was ihn für LST zugänglich macht.
Doppelter Nutzen: Supercropping senkt hohe Äste auf die gewünschte Höhe (wie LST) und stärkt gleichzeitig den Nährstofftransport in diesen Ast.
// SUPERCROPPING SCHRITT FÜR SCHRITT
- Den zu bearbeitenden Ast zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen
- Den Stängel sanft quetschen und rollen, bis man spürt wie das innere Gewebe nachgibt. Kein ruckartiges Brechen.
- Den Ast dann langsam in die gewünschte Richtung biegen. Er sollte locker hängen.
- Falls nötig: Mit Binddraht oder Pflanzenstütze in Position halten
- Falls die Hülle reißt: Direkt mit Pfropfband oder Klebeband umwickeln. Die Stelle heilt dann trotzdem.
- Nach 3–5 Tagen ist die Knickstelle bereits verdickt und stabil
// WANN SUPERCROPPING ANWENDEN?
- In der Vegetationsphase: Zum Formtraining, hohe Äste auf Linie bringen
- Frühe Blüte (Stretch-Phase, Woche 1–3): Triebe, die zu schnell wachsen und die Lampe zu stark annähern, nach unten bringen
- Nicht in der Spätblüte: Zu viel Stress in der Reifephase
// SUPERCROPPING VS. LST
LST biegt Äste ohne sie zu beschädigen. Supercropping verletzt bewusst das innere Gewebe. LST ist risikoärmer und für Einsteiger besser geeignet. Supercropping braucht etwas Fingerspitzengefühl, liefert aber stärkere Ergebnisse an der Knickstelle. Viele erfahrene Grower kombinieren beide Techniken.
// RISIKEN
- Zu starkes Knicken reißt den Ast komplett ab. Bei jungen, dünnen Stängeln sehr vorsichtig sein.
- Offene Wunden sind Eintrittspforten für Schimmel und Bakterien. Risse sofort abkleben.
- Nicht an bereits gestressten oder kranken Pflanzen durchführen